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Alles zur Entstehung und Geschichte der Grunge Musik.

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Grunge, oder manchmal auch als Seattle Sound bekannt, gehört zu einer besonderen Art des Alternative Rocks, der während Mitte 1980er Jahre im amerikanischen Bundesstaat Washington entstanden ist. Und dort hauptsächlich in der Gegend um Seattle. Neben Hardcore Punk, Heavy Metal und Indie Rock, ist Grunge im Allgemeinen durch seine stark verzerrten E-Gitarren geprägt worden, die im Gegensatz zu Song Dynamik und abgestumpften oder angsteinflößenden Lyrics stehen. Die Ästhetik der Grunge Musik liegt in einer abgespeckten Form gegenüber der Rockmusik. Des Weiteren erkannte man äußerlich viele Grunge Musiker durch Ihr ungepflegtes Erscheinungsbild bei Liveshows und der Ablehnung von jeglicher Art der Theatralik.

Die ersten Grunge Bewegungen formierten sich um das in Seattle ansässige Independent Label Sub Pop, in den späten 1980er Jahren. Grunge wurde besonders in den folgenden Jahren und der ersten Hälfte der 1990er Jahre kommerziell erfolgreich und das nicht zuletzt durch die Veröffentlichung der beiden Platten ‘ Nevermind ‘ von Nirvana und ‘ Ten ‘ von Pearl Jam. Der Erfolg dieser Bands wirkte sich ebenfalls positiv auf den gesamten Alternative Rock aus und Grunge etablierte sich als die populärste Form der Hard Rock Musik in dieser Zeit. Doch viele Grunge Bands empfanden die ungeheure Popularität als unangenehm. Und auch wenn die meisten Grunge Bands sich Mitte und Ende der 1990er Jahre auflösten, oder aus dem Blickfeld der Medien verschwanden, bleibt weiterhin Ihr Einfluss auf die moderne Rockmusik ungebrochen.

Es wird im Allgemeinen angenommen, dass Grunge aus der Rückbildung vom Adjektiv grungy hervorgegangen ist. Es ist ein Begriff aus dem US-Slang, dem man seinen Ursprung in etwa 1965 als “dirty” oder “filthy” entnehmen kann. Mark Arm, Sänger der Band Green River aus Seattle (und später Mudhoney) war der Erste der den Begriff Grunge verwendete, um damit diese Art von Musik am Besten definieren zu können. Das Wort schrieb Mark McLaughlin, wie ihr mit bürgerlichen Namen heißt, in einem Brief an das Magazine Desperate Times in Seattle mit der Bitte um eine Kritik zu seiner Band Mr. Epp And The Calculations und deren Album ‘ Pure Grunge! Pure Noise! Pure Shit! ‘.

Doch zu größerem Bekanntheitsgrad geriet Grunge durch die offizielle Aufnahme von Bruce Pavitt 1987-88, der selbst bei Sub Pop arbeitete und damit die Band Green River schlussendlich unter dem Begriff Grunge musikalisch einordnete. Arm meinte Jahre später einmal, “Obviously, I didn’t make [grunge] up. I got it from someone else. The term was already being thrown around in Australia in the mid-’80s to describe bands like King Snake Roost, The Scientists, Salamander Jim, and Beasts of Bourbon.” Arm nutzte dabei den Begriff mehr als Beschreibung, als ein musikalisches Genre. Und dennoch kam es schließlich zu dem beschriebenen Punk/Metal Hybrid Sound der dortigen Musikszene in Seattle.

Grunge ist in der Regel durch seinen schlammigen Gitarrensound bekannt, mit einem hohen Maß an Verzerrung, Fuzz und Feeback Effekte. Grunge verbindet Elemente des Hardcore Punks und Heavy Metal, wenngleich manche Bands die eine Richtung mehr als die Andere bevorzugten. Aber es bedeutet zugleich neben dem rohen Klang, auch ein viel langsameres Tempo, dissonante Harmonien und komplexere Instrumentierungen – die streckenweiße an Heavy Metal erinnern.

Einige Personen die mit der Entwicklung der Grunge Musik assoziiert werden, einschließlich Sub Pop Produzent Jack Endino und The Melvins, erklärten die Einbeziehungen der Heavy Rock Einflüsse wie Kiss als “musikalische Provokation”. Grunge Bands bezeichneten es selbst als “kitschig” und genossen es dennoch. Buzz Osborne von den Melvins beschrieb es als einen Versuch zu sehen, was Bands für lächerliche Dinge tun könnten, ohne jegliche Konsequenten fürchten zu müssten. In den frühen 1990er Jahren bekam das “Stop-Start” Format von Nirvana eine eigene Genre Konvention.

Die Lyrics sind in der Regel mit Angst gefüllt und behandeln dabei Themen zu sozialer Entfremdung, Apathie, Entbindung und der Wunsch nach Freiheit. Natürlich trug eine Reihe von Faktoren zu dieser expliziten Konzentration dieser Richtung bei. Viele Grunge Musiker zeigten in Ihren Texten die allgemeine Enttäuschung über den Zustand unserer Gesellschaft, wie auch ein Unbehagen über gesellschaftliche Vorurteile. Viele solcher Themen zeigten ebenfalls Parallelen zu den Musikern der Punk Rock Szene und die damit verbundene Wahrnehmung der Generation X.

Musikkritiker Simon Reynolds sagte im Jahr 1992, dass “There’s a feeling of burnout in the culture at large. Kids are depressed about the future.” Allerdings befassten sich nicht alle Grunge Songs mit diesen Fragen. Nirvana’s satirische ‘ In Bloom ‘ ist ein bemerkenswertes Beispiel der eher humorvolleren Art. Überhaupt kam der Humor nur selten zu Tragen und dann nur als satirische Form des Glam Metals, wie zum Beispiel in ‘ Big Dumb Sex ‘ von Soundgarden und in anderen Formen der populären Rock Musik in den 1980er Jahren.

Grunge Konzerte waren bekanntlich sehr einfache, hohe Energie Performances. Auch wurden komplexere und hohe Budget Präsentationen, wie es in sehr vielen anderen musikalischen Genres üblich war, abgelehnt. Einschließlich der Verwendung von komplizierten Lichteffekten, Pyrotechnik, sowie allen weiteren visuellen Spielereien, die in keinem Zusammenhang mit der Musik standen. Auch sollte die Schauspielerei auf der Bühne vermieden werden. Jack Endino sagte im Dokumentarfilm Hype! von 1996, dass Bands aus Seattle die geborenen Live Musiker sind, da primäres Ziel nicht die Unterhaltung ist, sondern das Einfache abrocken.

Die Bekleidung der Grunge Musiker aus Washington bestand in erster Linie aus Billigläden und bestand aus der typischen Outdoor Bekleidung (vor allem Flanellhemden) der Region, sowie dem bereits angesprochenen ungepflegten Erscheinungsbild. Musikjournalist Charles R. Cross meinte dazu: Kurt Cobain was just too lazy to shampoo,” und Sub Pop’s Jonathan Poneman sagte, “This clothing is cheap, it’s durable, and it’s kind of timeless. It also runs against the grain of the whole flashy aesthetic that existed in the 80’s.”

Der Grunge Sound war teilweise das Ergebnis einer Isolation von Seattle gegenüber anderen Musikszenen. Als Sub Pop’s Jonathan Poneman darauf hinwieß: “Seattle was a perfect example of a secondary city with an active music scene that was completely ignored by an American media fixated on Los Angeles and New York”, machte Mark Arm geltend das die Isolation bedeutet, “This one corner of the map was being really inbred and ripping off each other’s ideas.” Grunge entwickelte sich aus der lokalen Punk Rock Szene und wurde dort von Bands wie The Fartz, The U-Men, 10 Minute Warning, The Accüsed And The Fastbacks dominiert. Des Weiteren hatte auch der langsame, schwere und schlammige Stil der Melvins einen erheblichen Einfluss auf den Grunge Sound.

Außerhalb des nordwestlichen Pazifiks beeinflusste ebenfalls eine Reihe von Künstlern die Musikszene. So sind hier Alternative Rock Bands aus dem Nordosten der Vereinigten Staaten, darunter Sonic Youth, Pixies und Dinosaur Jr. wichtige Einflüsse auf das Genre Grunge. Durch die Schirmherrschaft von Bands aus Seattle, wurden Sonic Youth aus “Versehen genährt” und verstärkten dadurch die radikale und unabhängige Einstellung der Musiker. Den Einfluss der Pixies auf Nirvana hatte einmal Kurt Cobain im Interview mit dem Rolling Stone beschrieben und dabei festgestellt, dass er “Connected with the band so heavily that I should be in that band.” Nirvana nutzten dabei die weichen Verse und den harten Chorus der Pixies, die dadurch beide den stilistischen Ansatz in Grunge und Alternative Rock Subgenres popularisierten.

Clinton Heylin, Autor von Babylon’s Burning: Von Punk bis Grunge zitierte er Black Sabbath als “Perhaps the most ubiquitous pre-punk influence on the northwest scene.” Auch ist der Einfluss von Led Zeppelin offensichtlich, vor allem in den Songs von Soundgarden. Weitere Einflüsse waren die Noise Rock Bands mit Ihren rohen, verzerrten und intensiven Sounds. Eine davon waren die Wisconsin Killdozer, aber auch Flipper in San Francisco. Diese Gruppe war wiederum für Ihren langsamen und trüben “Noise Punk” bekannt. Soundgarden und andere frühe Grunge Bands wurden von britischen Post Punk Bands wie Gang Of Four und Bauhaus beeinflusst, die in den frühen 1980er Jahren in Seattle populär waren.

Grunge Bands vollzogen den musikalischen Schritt in den Mainstream Ende der 1980er Jahre. Soundgarden war dabei die erste Gruppe, die beim Major Label A & M Records im Jahr 1989 den Plattenvertrag unterzeichnete. Hinzu kamen kurz darauf Alice In Chains und die Screaming Tees. Ebenfalls umworben waren auch Nirvana, die schließlich im Jahr 1990 einen Vertrag bei Geffen Records unterschrieben. Im September 1991 veröffentlichte Nirvana Ihr Major-Label-Debüt ‘ Nevermind ‘ und landeten den kommerziellen Durchbruch mit der ersten Single ‘ Smells Like Teen Spirit ‘. Aufgrund der häufigen Rotation des Videos auf MTV, verkaufte sich ‘ Nevermind ‘ 400.000 Mal pro Woche bis Weihnachten 1991. Im Januar ersetzte die Spitze der Billboard Charts 200 Pop Superstar Michael Jackson mit ‘ Dangerous ‘.

Der Erfolg von ‘ Nervemind ‘ überraschte die Musikindustrie. Das Album machte so nicht nur den Grunge populär, sondern etablierte auch die kulturelle und wirtschaftliche Tragfähigkeit von Alternative Rock im Allgemeinen. Michael Azerrad meinte, dass ‘ Nevermind ‘ eine Art Wende in der Rockmusik symbolisierte, in dem der Hair-Metal-Rock dominierte und nun durch die Zeit in Ungnade fiel, da seine Musik weder echt noch kulturell relevant erschien. Der populäre Durchbruch wurde auch vom Rolling Stone Magazine gefördert, der Grunge als “The new Liverpool” betitelt, während bereits der zweite Zustrom von Bands, in der Hoffnung auf Erfolg, in die Stadt gezogen war.

Die Popularität des Grunge führte daraufhin zu einem großen Interesse an der Szene in Seattle, wobei die Stadt in erster Linie als “Musik Community” diente. Doch es dauerte nicht lange und die Mode Branche erkannte gewinnbringende Vermarktungsstrategien, wie zum Beispiel Ski Mützen. Kritiker behaupteten, diese Entwicklung war Teil einer Verwandlung der Grunge Musik zur Modeerscheinung. Aus diesem Medienhype um Grunge entstand schließlich 1996 der Dokumentarfilm Hype. Drei Jahre zuvor entwickelte sich in Seattle eine Gegenreaktion zum Grunge mit der Begründung, die gesamte Bewegung der Erfolg seien künstlich entstanden, wenngleich vielen Künstlern der Erfolg als unangenehm erschien. Kurt Cobain sagte damals, “Famous is the last thing I wanted to be.”

Eine Reihe von Faktoren trugen dazu bei, dass der Grunge aus seinen Ecken in den Vordergrund gezerrt wurde. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurde das Genre durch den Post-Grunge abgelöst, der auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebensfähig war. Dazu zählten Bands wie Candlebox und Bush, denen jedoch die Wurzeln der ursprünglichen Grunge Musik fehlten und verkörperten das, was Grunge im Laufe der Jahre geworden ist: Eine beliebige Form mit Grunge Einfluss in Pseudo-ernsten Hard Rock. Post Grunge war dagegen ein rentables Genre, das besonders durch den milderen Einsatz der verzerrten Gitarren und polierten Produktionen für Radiosender interessant wurde.

In der heutigen Zeit touren noch immer einige Grunge Bands durch die Welt und das mit mehr Erfolg als zu damaligen Zeiten. Allen voran zählt hier natürlich Pearl Jam. Eine Band die im Jahr 2006 von Rolling Stone Schriftsteller Brian Hiatt wie folgt beschrieben wurde, “spent much of the past decade deliberately tearing apart their own fame,” mit der Betonung, das sich die Band dennoch zu einer festen Größe etablieren konnte und dabei auf den Pfaden von Grateful Dead wandle. Trotz Nirvana’s Untergang ist die Band noch immer äußerst erfolgreich. Gründe sind hier die Zeitschriften von Kurt Cobain und die Best Of Compilations im Jahr 2002, bei denen daraufhin die New York Times meinte: “Are having more success now than at anypoint since Mr. Cobain’s suicide in 1994.”