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Kritik: Funeral Suits – ‘ Lily of The Valley ‘ (VÖ: 15.02.2013)

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Funeral Suits
Lily of The Valley

 

VÖ: 15. Februar 2013
Label: Pias UK/Model Citizen (rough trade)
Titel: 11
Spieldauer: 43:34

 

Das Funeral Suits nichts für Freunde der Schublade sind, zeigen die Herrschaften aus Irland bereits mit dem eröffnenden Stück ‘ Mary’s Revenge ‘ überdeutlich. Unruhige Rhythmen, nervöse Gitarren und zerklüftete Soundkonstrukte legen einen schweren Stein in den eigenen Magen und verlangen dem Hörer in den ersten vier Minuten einiges ab. Wer sich aber das erste Mal mit Funeral Suits bechäftigt, dem würde ich direkt den zweiten Track ‘ Colour Fade ‘ empfehlen, denn damit sollte im Jahr 2011 die Erfolgsgeschichte der Band beginnen. Mit dem Release ihrer Debütsingle auf dem Londoner Label Friends vs. Records stampften plötzlich die Massen auf den Tanzflächen zum Takt der dominierenden Beats, dazu eine Gitarre, die mit wenigen Klängen und einer größtenteils monotonen Abfolge das Maximum erreicht und wohl auch maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Funeral Suits seit der Veröffentlichung eine stetig wachsende Masse an Gläubigern gewinnen konnte. Einmal mehr das beste Beispiel dafür, wie eine Band aus dem Strudel des hypnotisierenden Minimalismus unwirtliche Klanglandschaften entstehen lassen kann.

 

Aber Funeral Suits würde meiner Einleitung nicht gerecht werden, gäbe es nicht sogleich im folgenden Stück ‘ Health ‘ eine radikale Kehrtwendung. Kristalline Melodien glänzen gegen die hämmernden Rhythmen und nagenden Gitarren, während ein trauriger Unterton sanft das industrialisierte Stück in eine fruchtbare Zukunft führt. Funeral Suits aus Irland beweisen besonders mit diesen beiden Stücken Ihre neidvollen Qualitäten, wobei auch ‘ All Those Friendly People ‘ mit seinen gut aufgelegten Gitarren, den hohen elektronischen Tönen und der angenehmen Basslinie der kleine Bruder von Franz Ferdinand oder den Maccabees sein könnte. Nicht mehr als zu einem Zwischenstück verkommt das reduzierte ‘ We Only Attack Ourselves ‘ und lässt zusammen mit ‘ Adventures Misadventures ‘ das Bild einer kleinen Flaute erkennen. Trotzdem schwelgen Funeral Suits in Ihrer Debütplatte fast unentwegt auf einer pulsierenden Woge voller beeindruckender Kreativität. Der aufwändige und übergreifende Einfallsreichtum ist letztlich auch die uneinnehmbare Festung des eigenen Könnens – aber diese ausstrahlende Brillanz wirkt letztlich auch irgendwie unheimlich.

 

‘ Florida ‘ surft an eckigen Pop-Melodien vorbei, ‘ Machines ‘ greift sich Nu-Metal-Anklänge und das letzte Stück ‘ I Still Love The High ‘ glänzt als pathetische Pracht und schließt das Debüt als dunkle, emotionale Achterbahnfahrt – die wiederum mit dumpfen Herzschlägen endet. Wir sind zurück, steigen mit matschigen Knien aus und fühlen uns gebeutelt und durcheinander. Doch diese Fahrt hat uns süchtig gemacht. Warum? Weil jede Reise durch dieses Album eine andere sein wird…