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Kritik: Jack White – ‘ Lazaretto ‘ (VÖ: 06.06.2014)

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10_Lazaretto_picboxR_7_10Jack White
Lazaretto

 

VÖ: 06. Juni 2014
Label: Xl/Beggars Group (Indigo)
Titel: 11
Spieldauer: 39:12

 

Blau/schwarz bleibt also seine Lieblingskombi, jetzt, da rot/weiß endgültig ausgedient hat. Jack White, der gerade erst die Black Keys abgebügelt hat, weil sie seiner Ansicht nach eine weichgespülte und darum kaum brauchbare Version der White Stripes abgäben, kommt mit einem weiteren Analogfetisch aus dem Hobbykeller seiner legendären Vinylmanufaktur daher und wie schon der fabelhafte Vorgänger ‘ Blunderbuss ‘ hört sich auch diese Platte an die eine betrunkene, zerrupfte Krähe, die jederzeit in der Lage ist, einem ohne Vorwarnung ein Auge auszuhacken. White zelebriert eine Art von derangierter Rohheit, einen Sound, der wild, ungeschliffen und anarchisch klingt, und von dem man doch weiß, dass Detroits derzeit bekanntester Showact als Kontrollfreak mit Sicherheit jeden einzelnen Takt und Ton bewusst an die richtige Stelle gesetzt hat.

 

Er hätte es sich deutlich einfacher machen können, hätte einfach nur zehn, zwölf von diesen elektrifizierten Bluesrockstampfern aus dem Ärmel schütteln müssen und ein jeder hätte vor Ehrfurcht geschwiegen. Wollte er aber nicht. Die eigentümliche Mischung Marke Tom Morello meets Axl Rose hat er so spielend drauf, die macht er live aus dem Handgelenk, eine Herausforderung ist das beileibe keine mehr. Für’s Titelstück rappt sich der bleichgesichtige Junge mal eben durch die gniedelnden Akkorde, ‘ That Black Bat Licorice ‘ und ‘ I Think I Find The Culprit ‘ scheppern auch schon gewaltig und als wollte er allen Besserwissern eine Nase drehen, läßt er das bissigste, derbste Stück ‘ High Ball Stepper ‘ ganz ohne jeden Text von der Leine. Da hört man schon die Bedauerungsadressen aus dem Off – „Och, schade, hat er aber hergeschenkt, so als Instrumental…

 

White ist nun mal kein Nachmacher, am wenigsten, wenn es um ihn selbst geht. Und so sind die spannendsten Nummern die souligen, die schon bei ‘ Blunderbuss ‘ für Stimmung sorgten. ‘ Three Women ‘ knarzt, rüttelt und orgelt ganz wunderbar, ‘ Would You Fight For My Love ‘ klagt er später und weiß doch schon die Antwort – die logische Folge also ‘ Just Another Drink ‘: „You drink water, I drink gasoline, one of us is happy, one of us is mean…“ Country, Funk, Soul, Punk, viele Geigen, viele Tasten, White lässt sich schon lange nicht mehr nur auf die Gitarre festlegen wie noch zu Zeiten der White Stripes, nachträglich müssen ihm diese wie eine unnötige Selbstbeschränkung vorkommen. Und auch wenn nicht jeder Song von ‘ Lazaretto ‘ mit eine Top-Rating davonkommt – der Mann und seine Musik werden von Mal zu Mal interessanter.

 

martin lorenz ]