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Nachbericht: WYE OAK am 03.06.2014 in der Prinzenbar in Hamburg.

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7762Benannt haben sich Wye Oak nach einer fast 500 Jahre alten riesigen Eiche. Sie galt als Wahrzeichen des US-Bundesstaats Maryland, der Heimat der Band, – bis 2002 der Blitz in den imposanten Baum einschlug. An diesem Abend braucht es kein Gewitter, um Jenn Wasner und Andy Stack etwas aus der Fassung zu bringen, sondern bloß die aufgeheizte Prinzenbar, die mit dem Jugendstil-Stuck an den Wänden und dem pompösen Kronenleuchter heute mehr einer Sauna denn einem Musikclub gleicht. Auch dem Publikum macht die Hitze zu schaffen. Während drinnen Bachelorette den Konzertabend eröffnet, schnappt ein Teil draußen noch frische Luft auf Vorrat.

 

Bei der Neuseeländerin Annabel Alpers trifft Folk auf Vintage angehauchte elektronische Spielereien, was durchaus zum neuen Soundgewand von Wye Oak passt. Auf seinem aktuellen vierten Album ‘ Shriek ‘ setzt das Duo aus Baltimore schließlich auch verstärkt auf flirrende Synthies. Doch gerade die Elektronik ist es, welche Wye Oak nach einem Drittel des Openers ‘ Before ‘ im Stich lässt. Entweder ist es der Synthesizer oder der damit verbundene Laptop, der – vermutlich aufgrund der großen Wärme – den Geist aufgibt. „Jesus Christ!“ – Jenn Wasner schickt ein Stoßgebet zur stuckverzierten Decke, während Andy Stack am Rechner herumhantiert. Einige Minuten vergehen, dann ist das Problem behoben. Der nervöse Synthie-Beat von ‘ Before ‘ setzt erneut ein und dieses Mal geht alles glatt, sodass Stack am Schlagzeug und Wasner am Bass in den Song einsteigen können.

 

Bei ‘ Tower ‘ leistet der Bass-Verstärker ganze Arbeit. Die Schwingungen sind überall am Körper zu spüren, gerade wenn man auf dem kleinen Balkon steht, von dem aus sich Bühne und Menschenmenge hervorragend überblicken lassen. Nach dem Titelstück ‘ Shriek ‘ tauscht Wasner ihren Bass jedoch gegen die Gitarre ein. „Aha, ein alter Song also als nächstes“, denkt sich der kundige Fan – und er soll recht behalten. Bei ‘ Holy Holy ‘ und ‘ Plains ‘ vom 2011er Album ‘ Civilian ‘ dominierte bei Wye Oak noch der handgemachte Indie-Folk mit Shoegaze- und Noise-Einlagen. Darauf folgt wieder ein Liederblock von der aktuellen Platte, bei dem die Sängerin erneut zum Bass greift.

 

Natürlich dürfen auch die Songs vom zweiten Album ‘ The Knot ‘ nicht zu kurz kommen. Die Menge jubelt, als die ersten Akkorde von ‘ For Prayer ‘ ertönen. Leider klingt Jenn Wasners Gesang live ein wenig dünn und nur ansatzweise so herzzerreißend leidend wie bei der im Studio aufgenommenen Version. So viel Mühe sie sich auch gibt, gegen das nicht perfekt abgemischte Mikrofon kommt ihre Stimme nicht an. Die Fans sind dennoch hin und weg: Die ersten Reihen schütteln bei den Stellen, an denen Stacks Schlagzeug unvermittelt vorprescht und Wasners Gitarre aufjault, hypnotisch die Köpfe im Rhythmus. „So cross your fingers say a prayer/You don’t believe but I don’t care.“

 

Bevor das Duo zum letzten Lied ‘ Logic of Colors ‘ kommt, bedankt sich Jenn Wasner brav: „Thanks for staying in this very hot room with us.“ Und trotz Hitze gibt es natürlich eine Zugabe. Die Band kündigt einen Coversong an. Schade, es ist nicht ‘ Mother ‘ von Danzig, aber ‘ Running Up That Hill ‘ von Kate Bush macht sich auch nicht schlecht in der melancholischen Wye Oak-Version. Danach will Wasner gerade ‘ Civilian ‘ anstimmen, als sie bemerkt, dass sie ihren Kapodaster vergessen hat. „Today I screw up everything“, gesteht sie selbstkritisch, bevor sie sich auf die Suche begibt.. „Maybe you’ve noticed. Maybe not.“ Und selbst wenn – es läuft eben nicht immer alles perfekt und einer so wunderbaren Band wie Wye Oak können wir das sicher verzeihen.

 

[Sirany Schümann]

 

 

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