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Kritik: Bob Mould – ‘ Beauty And Ruin ‘ (VÖ: 06.06.2014)

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10_loveandruin_picboxBob Mould
Beauty And Ruin

 

VÖ: 06. Juni 2014
Label: Merge (Cargo Records)
Titel: 12
Spieldauer: 45:24

 

Verwunderlich an diesem Cover ist keineswegs der Altersunterschied, der zwischen dem 18jährigen und dem 53jährigen Protagonisten liegt – ähnliche Fotos kann wohl jeder bei Bedarf aus der Tasche ziehen. Erstaunlich ist vielmehr, dass dieser ergraute und bebrillte Strickmützenträger, der fünfunddreißig Jahre zuvor mit Hüsker Dü eine der stilbildendsten Alternativrockbands der neueren Musikgeschichte gründete, auch heute noch auf absolut unpeinliche Weise den Sound seiner Jugend spielen kann. Wer kürzlich den Auftritt von Bob Mould bei Conan O’Brien gesehen hat, der wird bestätigen, dass dieser zu keiner Zeit irgendeinen Anlaß zur Fremdscham bot – nimmt man das eine oder andere Interview hinzu, dann darf Mould fraglos als einer der umgänglichsten und charmantesten Altpunks dieses Universums gelten.

 

Zwei Jahre sind seit seinem letzten Solowerk ‘ Silver Age ‘ vergangen, zwei Jahre, in denen der Mann aus New York ausreichend Gelegenheit hatte, mit seinen neuen Partnern Jason Narducy am Bass und Drummer Jon Wurster zu einem eingeschworenen Team zusammenzuwachsen. ‘ Love And Ruin ‘, von ihm selbst als sein bislang persönlichstes Album tituliert, wurde in den Studios von Steve Albini eingespielt, will man diese Produktion kurz umreißen, dann so: Historische Verweise – jede Menge, Kraft und Energie – zur Genüge, Neuerungen – so gut wie keine. Man kann die Platte gut und gern als ‚livespanning‘ Werkschau hören, es finden sich hier sowohl Lieder wie „Forgiveness“ oder die Single ‘ I Don’t Know You Anymore ‘, die an seine Zeit mit Sugar und den ersten Alleingang mit ‘ Workbook ‘ erinnern, als auch Stücke mit gepflegter Härte wie ‘ Little Glass Pill ‘, ‘ Hey, Mr. Grey ‘, ‘ Fix It ‘, welche die Gründerjahre von Hüsker Dü wieder in angenehme Erinnerung rufen.

 

Würdevoll altern ist natürlich auch für Mould eine stetige Herausforderung und er stellt sich ihr täglich auf’s Neue, mal selbstironisch und spielerisch zusammen mit Colin Meloy im Video zu ‘ I Don’t Knwo You Anymore ‘, an anderer Stelle in ‘ The War ‘ verarbeitet er den Tod seines Vaters im Jahr 2012. Der Verlust ist für ihn ein ständiger Begleiter: “I’m getting to that point in my life, where I’ve been losing people and people are getting really sick around me,” sagte er dazu dem Rolling Stone, “It’s weird. It can be a downer, but it can also be very enlightening. I’m very grateful that I’m in a line of work where now that I’ve stayed around long enough, sadly I get this perspective. It’s not a popular one in rock music.” Sätze wie diese machen das Album nicht nur zu einem nachdenklichen, sondern auch zu einem besonderen und gerade weil sie nicht alltäglich sind, helfen sie wohl ihm und auch seinen Zuhörern, einem jeden auf seine Weise.

 

martin lorenz ]