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Kritik: The Orwells – ‘ Disgraceland ‘ (VÖ: 06.06.2014)

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10_Disgraceland_picboxR_6_10The Orwells
Disgraceland

 

VÖ: 06. Juni 2014
Label: Atlantic (Warner)
Titel: 11
Spieldauer: 35:16

 

Wollen wir nicht wirklich wieder mit der alten, immer gleichen Leier beginnen, gegen guten Rock sei nichts einzuwenden, ab und an müsse man auch mal kräftig die Sau rauslassen – The Orwells böten dafür den passenden Soundtrack. Als Punkrockquintett aus Elmhurst bei Chicago vor fünf Jahren gestartet, bieten die jungen Männer um Sänger Mario Cuomo auf dem neuen, zweiten Album zunächst einmal einen deutlich glatteren, gefälligeren Sound als noch zu Gründerzeiten – das Rohe und Ungeschliffene, das ‘ Remember When ‘ auszeichnete, werden nicht wenige ihrer Fans vermissen. Was früher als ungezügelter Noise zu verzerrtem Geschrei vibrierte, kommt heute meistenteils als straighter Alternativrock daher, immer noch laut, aber eben auch etwas braver.

 

Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass eine grandiose Single wie ‘ Who Needs You ‘ hier so hervorsticht – hätte ‘ Disgraceland ‘ mehr von diesen schnellen, kratzigen Nummern zu bieten, wäre die Nummer also eine unter vielen, niemandem wäre sie so sehr aufgefallen. Jetzt aber landet der Videomitschnitt von David Letterman als Clickhit bei Youtube und man weiß nicht genau, ob Frontmann Cuomo die Parodie der Studioband auf seinen typischen, geziert tänzelnden Vortragstil wirklich so witzig findet. Die Verse zum Garagenkrach sind im Übrigen überhaupt nicht komisch: „Listen up forefathers, I’m not your son, you better save the country, you better pass the flask, you better join the army, I said: “no thank you, dear old uncle Sam!

 

Textlich sind The Orwells hier und an anderer Stelle immer noch weit von glattgebügelter Harmlosigkeit entfernt, mal blutiges Drama (“She screamed now for help, but nobody came, so she picked up my gun and put it to her brain, she begged, she begged, she screamed, said God, give me help, then she decided to do it herself“, ‘ Blood Bubbles ‘), dann fast die Kapitulation „I wanna get stupid, I gotta get limb, I wanna have faith in something I don’t kill. I’m starting to feel numb, can’t see me in the mir’, my daddy’s got a twelve gauge, I hope I don’t find it” in ‘ Gonna Get Down ‘ – wer solche Zeilen singt, hat noch genügend Wut im Bauch und der Welt noch einiges zu sagen. Bleibt zu hoffen, dass sie sich die Mischung aus Doors und Stooges nicht nur für die Liveauftritte aufheben, der Weg der Kings Of Leon ist hier Mahnung genug und an Potential und Themen sollte es auch weiterhin nicht mangeln.

 

martin lorenz ]