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Kritik: Lana Del Rey – ‘ Ultraviolence ‘ (VÖ: 13.06.2014)

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10_Ultraviolence_picboxR_8_10Lana Del Rey
Ultraviolence

 

VÖ: 13. Juni 2014
Label: Vertigo Berlin (Universal Music)
Titel: 12
Spieldauer: 52:14

 

 

Jetzt, da die letzte Nobelkarosse getauft, alle aktuellen Kollektionen über den Catwalk sind und sich wirklich kaum noch eine Luxusmarke findet, bei der Elizabeth Woolridge Grant als Lana Del Rey noch nicht auf der Payroll stand, jetzt, da also der ganz große Hype endgültig vorbei scheint – wäre es da nicht interessant zu prüfen, ob der Zauber noch trägt? Ob man sich noch einfangen läßt von dieser eigenwilligen und durchaus faszinierenden Mischung aus Lolita und Madonna, von der samtverhangenen Melodramatik zwischen Todessehnsucht und Himmelfahrt? Reichlich Arbeitsproben sind ja vorhanden – Lana Del Rey liefert mit ihrem neuen Album zehn und mehr Stücke in gleicher Tonlage und nach kaum verändertem Strickmuster: weinende Geigen mit großem Orchester, die Stimme mal brüchig und zart, mal geschmeidig und verrucht, das “sad girl, bad girl”, Miss Superschwermut bleibt sich treu.

 

Es gibt reichlich urbane und natürlich uramerikanische Westernromatik, auf die Spitze getrieben von prächtigen Heulern wie ‘ Cruel World ‘ und ‘ Pretty When You Cry ‘, eimerweise Selbstironie in ‘ Fucked My Way Up To The Top ‘ und die schon bekannte und (ebenso zwingende) Initiativbewerbung für den nächsten Bond-Soundtrack mit ‘ Shades Of Cool ‘. Zwei der Stücke bieten vielleicht einen kleinen Ausblick, wo es mit Madame Del Rey zukünftig hingehen könnte – ‘ Brooklyn Baby ‘ und ‘ West Coast ‘ sind im Gegensatz zu den zuvor genannten Pathosbolzen eher Leichtgewichte, mal geträllert, mal mit trippigem, abgebremsten Funk versehen, beide bleiben in guter Erinnerung. Dort landet auch die gelungene Coverversion des Klassikers ‘ The Other Woman ‘ von Nina Simone (bzw. Jessie Mae Robinson), auch wenn man sich fragen muss (aber das ist ja ein Problem, was fast jede Neubearbeitung trifft), wie gut und glaubwürdig so ein neuer Anzug im Vergleich zum Original denn sitzen kann.

 

Egal, zurück zur Eingangsfrage: Ja, es hat noch einmal funktioniert, überraschend gut sogar – sie sollte es so aber besser nicht noch einmal versuchen.

 

martin lorenz ]