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Kritik: The Antlers – ‘ Familiars ‘ (VÖ: 13.06.2014)

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10_Familiars _picboxR_8_10The Antlers
Familiars

 

VÖ: 13. Juni 2014
Label: Pias/Transgressive (rough trade)
Titel: 09
Spieldauer: 53:15

 

Schon vor drei Jahren geriet man unweigerlich ins Schwärmen, wenn man das golden schimmernde ‘ Burst Apart ‘ des New Yorker Trios The Antlers auf dem Plattenteller zum Klingen brachte, die Meister der feingewirkten Grübelei hatten und haben einfach ein untrügliches Gespür dafür, wie man auf behutsame Weise schwermütige Gedanken zum Schweben bringt. Und von dieser Fähigkeit ist ihnen auf dem neuen, mittlerweile fünften Album nichts abhanden gekommen, sie haben nur die Mittel etwas variiert. Die neun Stücke stammen wieder allesamt aus der Feder von Sänger Pete Silberman – dieser hatte sich nach überstandener Blessur seines Gehörs zusammen mit Bandkollege, Multiinstrumentalist und Freund Darby Cicci vornehmlich dem Jazz gewidmet, John Coltrane und Miles Davis standen demnach ganz hoch im Kurs und es fällt nicht schwer, diese Einflüsse bei ‘ Familiars ‘ herauszuhören.

 

Neben Cicci gesellen sich noch eine Reihe von Gastmusikern zum Personal – Saxophon, Trompete, Euphonium, Tuba, die Bläsersektion begleitet einen durchgängig vom ersten bis zum letzten Song der Platte und gibt dem Sound der Antlers etwas sehr Feierliches, Anmutiges. Wäre nicht Silbermans markanter Gesang, der von souligen Mitteltönen bis hin zur zarten Kopfstimme reicht, die Antlers könnten wohl Aufwand und Personalkosten gemeinsam mit den Tindersticks per Bandsharing halbieren. Auch hier samtpfötige Drums, verhaltene Tempi, ab und an mal ein verschämtes Gitarrensolo in ‘ Intruders ‘ oder eine überschaubare Wall Of Sound bei ‘ Director ‘, alles bleibt bedächtig und zielt auf Langzeitwirkung. Länger im Gedächtnis verbleiben auch Silbermans eigenwillige Texte – diesmal hat er sich mit den Absonderlichkeiten der menschlichen Psyche beschäftigt. Worte wie multiple Persönlichkeitsstörung und Werwolf fallen da, es geht um das Biest, das ein jeder in sich trägt.

 

Can you hear me when I’m trapped behind the mirror? A doppelgänger roaring from my silent kind of furor? If you’re quiet, you can hear the monster breathing… Do you hear that gentle tapping? My ugly creature’s freezing“, singt er in ‘ Doppelgänger ‘ und weiter: „Paranoia backward whispering on my shoulder, like a wasp is getting nervous, so if I shiver…“ Wären da nicht diese sanft schwingenden Lieder, es könnte einem himmelangst werden. Man gewinnt beinahe den Eindruck, Silberman hat mit dieser Musik nicht nur uns, sondern auch sich selbst einen großen Gefallen getan.

 

[martin lorenz]