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Kritik: Wanda, Bussi / Vertigo Berlin (Universal Music) (@WANDAMUSIK)

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Trinken, Liebe, Kreuz, Spital, Trinken, Einsamkeit, Schmerz, Trinken, Saufen, Rausch, Tod, … Und – bekannt? Klare Sache: Willkommen im Wanda-Kosmos. Die Wiener haben, diese Nachricht überstrahlt auch den kritischen Rest dieses Textes, eine neue Platte fertig und all jene, die »Amore« vor einem Jahr schon ins geschundene Herz geschlossen hatten, werden sich sehr freuen. Ob es ihnen wurscht ist, dass »Bussi« nicht ganz an das wunderbare Dauerdelirium des Debüts anschließen kann, bleibt abzuwarten, die Jungs um den charmanten Lederjackenträger und Sänger jedenfalls haben gegen Ende schon mal vorgebaut und behaupten trotzig:

 

Wann’s ned weitergeht mit mir is a wurscht, verlier sicher nicht mein Herz und mein Hirn und a ned meinen Durscht!“ Haben wir das geklärt – aber langsam. Wenn »Amore« diese herrlich prollige und versoffene Wiener Melancholie bis zum Anschlag ausgereizt hat, diese augenzwinkernde Verruchtheit, mehr Herz als Verstand also – dann gelingt das bei »Bussi« nur einigen wenigen Songs. »Meine beiden Schwestern« („Gespenster, weiß wie Kirchenfenster“) natürlich exemplarisch, unnachahmlich, überzeugend, die Gitarre dreht eine Extrarunde, „Nimm sie, wenn du’s brauchst“ macht’s genauso gut, traurig schön, fatalistisch auch.

 

Ganz und gar bei sich sind Wanda kurze Zeit später mit »Mona Lisa der Lobau« – liebestrunken in des Wortes zweifacher Bedeutung, man möchte gleich mitheulen wenn es heißt „Gib mir ein brauchbares Wort, eines das du sagst und auch meinst…“, wem das nicht an die Nieren geht, der ist wohl bei Hartmut Engler besser aufgehoben. Leider hat sich’s dann aber auch mit den heiß geliebten Schmachtfetzen und auch die irren Grüße an die Mutter („…schlag ihr für mich den Schädel ein…“) bleiben diesmal aus. Viel Okayes zwar, aber auch Bemühtes ist dabei, der Thomas heißt jetzt Andi und mögen tut ihn keiner, Bussi hier, Bussi da, „enchanté, es tut weh“, da wird’s dann zeitweilig etwas dünne. Warum die Jungs sich zudem ständig selbst zitieren und wiederholen, weiß man nicht so recht, richtig gut tut das den Songs nicht.

 

Klar, sie nehmen sich selbst beim Wort und machen es nicht allzu kompliziert, aber die Vermutung, das sollte jetzt schneller raus als wirklich nötig, drängt sich bei dem einen oder anderen Lied schon auf. Andererseits: Warum nicht zur Seele auch noch den Soul in »Das wär schön«, warum nicht der Schwermut ein paar gutgelaunte Bläser unterjubeln – im schlechtesten Falle waren sie mit der Platte ein wenig zu voreilig, im besten sind sie einfach ein Stück weit weniger ausrechenbar geworden. Kann man mit leben –und jetzt: „1, 2, 3, 4 – es ist so schön mit dir, 5, 6, 7, 8 – ich bleib die ganze Nacht!

 

[martin lorenz]