Interview: Philipp Poisel im exklusiven Interview bei OhFancy!


21.07.2010 / Aktuell, Hervorgehoben



Damit die schmerzliche Wartezeit auf das neue Philipp Poisel Album ‘ Bis nach Toulouse ‘ mit Release am 27. August 2010 ein wenig versüßt wird, zeigen wir nun im exklusiven Interview spannende Einblicke in das Leben um Philipp Poisel. Der Songschreiber aus Stuttgart berichtet über seine Eindrücke auf dem diesjährigen Melt! Festival, seinem Weg zur Musik, über das frühere Leben als Straßenmusiker und warum Ihn Herbert Grönemeyer entdeckt hat.


Das Interview von Jasmin Gruenelt

am: 21.07.2010



JG: Du warst zum ersten Mal auf dem Melt! Festival – wie war es für Dich?


PP: Mir wird es schnell zu viel, wenn viele Leute um mich sind und dann krieg ich schnell man einen zuviel. Also ich hab da manchmal Schwierigkeiten mich da richtig abzugrenzen. Nachts ist es da natürlich sehr imposant, da sind ja so riesige Braunkohlebagger und alles ist sehr diffus beleuchtet. Fand ich schon ein bisschen unheimlich. Aber ich hab dann einen Tag später angefangen, mich wirklich wohl zufühlen. Zumal ich dann auf dem Festivalgelände gesehen habe, das die Leute sehr entspannt sind und gute Stimmung herrscht. Auch das Konzert das ich selber gespielt habe, war total schön. Weil viele Leute die Texte offensichtlich schon kannten. Es waren auch ein paar richtige Fans dabei und das war natürlich schön, zu sehen, das Leute wegen uns gekommen sind. Es wurde ganz angenehm aufgenommen. Ich wusste ja nicht wie es sein würde, auf einem Electro- Festival zu spielen, also wie wir da so ankommen. Aber es war echt sehr angenehm! Und ich würde es auf jeden Fall noch mal machen.


JG: Wie bist Du eigentlich zur Musik gekommen. Also ich habe gehört, das Du ursprünglich Schlagzeug spielen wolltest, Deine Mutter Dir aber eine Gitarre geschenkt hat. Oder hattest Du erstmal wirklich nur Interesse an dem Schlagzeug und Dich sonst für gar nichts weiteres interessiert?


PP Ja, genau. Also zuvor habe ich jetzt nicht musiziert, erst seit dem ich eine Gitarre habe. Also ich hab davor natürlich gesungen, aber nicht ambitioniert oder so. Das hat erst mit der Gitarre angefangen. Das Lieder schreiben oder komponieren war eigentlich nie mein Ziel. Es hat sich alles so entwickelt, als ich mit der Gitarre angefangen habe.


JG: Wieso sollte es eigentlich ausgerechnet das Schlagzeug sein?


PP: Ich hatte die Vorstellung, das es Spaß machen würde. Das Schlagzeug vermittelt ja auch Kraft, man kann damit unglaublich laut sein. Und ich fand auch die Vorstellung cool als Schlagzeuger in einer Band zu spielen, damals mit so acht oder neun. Weil ich immer die Schlagzeuger am coolsten fand.


JG: Du wolltest Lehrer werden. Könntest Du es Dir aus der heutigen Sicht noch vorstellen?


PP Da hab ich mir jetzt so noch gar keine Gedanken darüber gemacht. Ich könnte es mir zwar vorstellen Lehrer zu sein, aber ob sich der Weg noch mal in diese Richtung entwickeln würde… Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig zu sagen. Also es ist jetzt nicht so, das es etwas ist, das ich jetzt noch unbedingt machen will. Das ist so ein Traum von mir gewesen, aber es ist jetzt nicht schade, das ich es jetzt nicht mache. Ich fühle mich sehr wohl mit dem was ich mache.


JG: Du hast ja früh angefangen als Straßenmusiker durch Europa zu tingeln. Was haben da Deine Familie und Freunde dazu gesagt?


PP: Also ich denke mal, das sie es von mir gewohnt waren, das ich viel unterwegs bin. Wie da so der Alltag genau aussieht, wissen sie ja nicht. Sie sind ja nicht dabei. Das meiste erzählt man ja erst, wenn man nach Hause kommt. Aber mir ging es schon recht früh so, das ich gerne allein unterwegs bin. Also ich habe mit 15 zum ersten mal InterRail gemacht. Da waren wir in einer Gruppe unterwegs. Also in Paris war ich mit meinen Jungs und die hatten irgendwelche Pläne, was sie in der Stadt machen wollen. Und ich bin halt an jeder Ecke stehen geblieben und wollte einfach da bleiben, wo es schön ist. Mich hat es jetzt nicht so interessiert, was hinter der nächsten Ecke ist. Sondern wenn es mir irgendwo gefallen hat, oder jemand Musik gemacht hat. Wenn ein Platz schön ist, dann bleib ich da, bis es mir nicht mehr gefällt. Erst dann geh ich weiter und da hab ich dann einfach gemerkt, ich muss allein unterwegs sein. Nur dann kann ich machen was ich will, kann mich treiben lassen. Die Gitarre hat mich eben dabei immer begleitet. Und ich ab auch die Erfahrung gemacht, das wenn man Musik macht, die Leute einem anders begegnen. Also man geht nicht ganz so alleine durch die Welt, die Leute sprechen einen an. Die glauben vermutlich automatisch, das man nur Gutes im Schilde führt. Zum einen hab ich die Gitarre immer dabei, weil sie mir auch Schutz bietet und weil ich mit ihr irgendwie überall zu Hause sein kann und Musik machen. Ich hab damit halt meine Welt dabei und kann musizieren. Das ist mir ganz wichtig. Dadurch kann man sich auch nahezu überall was dazu verdienen.


JG: Haben sich Deine Eltern keine Sorgen gemacht? Ist ja nicht immer ganz ungefährlich, irgendwohin zu gehen, ohne zu wissen was passiert und wovon man lebt. Zumal Du ja dann auch auf der Straße schläfst.


PP: Also was meine Eltern angeht, die machen sich natürlich schon immer Gedanken, wo ich so bin. Aber ich bin halt schon, auch als ich noch sehr klein war, viel alleine draußen unterwegs gewesen. Mein Großvater hat damals zu meiner Mutter gesagt; Auf d`r Gass, da lernt ma`s Leben. Da lernt man also wie es auch im Leben ist. Deswegen haben sie sich glaube ich nie wirklich Sorgen gemacht. Es gab auch nie einen Grund weswegen man sich hätte Sorgen machen müssen. Man ist natürlich, wenn man draußen übernachtet, der Willkür von manchen Leute ausgesetzt. Man ist halt viel angreifbarer und muss schon kucken, wo man hingeht. Da kann man schon mal schnell eine auf die Nase bekommen, man merkt auch ganz schnell, wenn man auf der anderen Seite der Gesellschaft steht. Und die Leute einen so als Gesindel behandeln. Das war eine Perspektive die ich da wahrgenommen habe. Wenn man sich irgendwo zum schlafen hinlegt, sei es am Kanal oder auf der Straße, da man da schnell zu einem Opfer wird. Man ist halt einfach schutzlos. Was aber nicht bedeutet das man deswegen in ganz großer Gefahr ist.


JG: Hast Du denn mal schlechte Erfahrungen gemacht?


PP: Wir sind einmal mit Zeitungspaketen beworfen worden, als wir in Holland waren. Von einem Lastwagenfahrer, die an einem Bahnhof abgeladen haben. Die haben dann die Pakete direkt auf uns drauf geworfen, als wären wir irgendwelche Tiere. Für die waren wir irgendwelche Asozialen. Auch die Polizei sagt einem natürlich das man nicht draußen schlafen darf. Aber sonst waren wir nie etwas ausgesetzt. In unserer Gesellschaft kann man Hilfe finden, wenn man sie braucht. Es wird manchmal nur umständlicher, wenn man bei niemandem übernachten kann. Aber dann muss man sich halt etwas suchen. Ich hätte ja auch jederzeit nach Hause können. Ich habe oft Freunde besucht, zum Beispiel wenn ich in Litauen war, und dort gewohnt. So hatte ich dann halt immer meine Etappen.


JG: Du reist ja gerne und viel. Was interessiert Dich da am meisten? Oder hast Du da überhaupt keine Prioritäten und lässt alles auf Dich zukommen?


PP: Also ich hab in der Zeit als ich auf der Schule war, in der Ausbildung, immer in einem Angestellten Verhältnis gearbeitet und hatte geregelte Arbeitszeiten. Das war schon immer etwas, worin ich mich sehr unwohl gefühlt habe. Ich war schon immer angetrieben, alles selbständig zu machen. Durch das Reisen, kann ich mein Leben einfach komplett selber bestimmen.


JG: Also geht es Dir in erster Linie um die Freiheit?


PP Genau. Es ist auf jeden Fall eine Antriebsfeder und habe dadurch halt auch das Abenteuer gesucht. Mich haben auch häufig Plätze angezogen, von denen ich nicht wusste, wie es da ist. Ich war als Kind mit meinen Eltern in Italien, in Frankreich und haben Strandurlaube gemacht. Aber mich hat es mehr in den Osten gezogen, wie die Menschen dort sind und leben. Ich habe mir Plätze gesucht, die mich interessieren.


JG: Wie kam es dazu, das Du von Herbert Grönemeyer entdeckt wurdest?


PP: Also Herbert Grönemeyer hat ja eine Plattenfirma namens Gröndland Records, die eigentlich auch so aufgestellt ist wie eine gewöhnliche Plattenfirma. Es gibt dann A & R Manager, die die Ansprechpartner sind und zuständig sind um neue Sachen an das Label zu holen. Nachdem wir die CD fertig hatten, also mein Produzent und ich, haben wir überlegt, was wir jetzt damit machen. Da haben wir uns auf die Suche gemacht, nach Leuten, die uns helfen können. Über zwei Ecken meinte dann jemand, das Grönland Records vielleicht was sein könnte. Wir haben die CD dann hingeschickt und es hat ihnen gefallen. Meistens kommt dann jemand von der Plattenfirma der sich das live anschauen möchte, ob auch das dahinter steht, was es verspricht. Und da kam dann halt Herbert auch mit. Da es ihm gefallen hatte, bin ich seit dem Tag bei Grönland Records untergebracht.


JG: Hast Du da alle künstlerischen Freiheiten oder musst Du Dich auch den Vorstellungen des Labels beugen?


PP: Da kann ich wirklich machen was ich will, was natürlich auch ein absoluter Luxus ist.


JG: Ich habe mir Deine MySpace Seite angeschaut und dabei gesehen, das Du extrem viele junge, weibliche Fans hast. Wie ist das für Dich, bist Du stolz darauf? Oder was für ein Verhältnis hast Du dazu?


PP Da ich ja viel über die Liebe singe und Beziehungssachen, interessiert es vielleicht schon erstmal Mädchen. Das wäre zumindest für mich die logischste Konsequenz. Aber wir bekommen auch Feedback von Jungs. Ich kann mir nur vorstellen, das sie es nur nicht so ausleben, sich nicht unbedingt in die erste Reihe stellen wollen. Ich freu mich über jeden, der sich das anhört. Ich freu mich auch immer über Leute, die ich überhaupt nicht erwartet hätte. Es gibt oft Überraschungen, wo ich denke ;oh wow, damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet. Leute die man vielleicht äußerlich vorverurteilt und sie wo anderes vermutet hätte. Es ist schön so viele verschiedene Leute auf einem Konzert zu sehen.


JG: Das heißt, auf Deinen Konzerten ist es schon ausgewogen?


PP: Es sind natürlich schon immer viele Mädels da. Die sind dann auch meistens eher vorne. Aber wenn ich dann so ins Publikum schaue, glaube ich schon, das es recht ausgewogen ist. Vom Alter her ist es auch sehr ausgewogen.


JG: Was für Musik hörst Du denn privat?


PP Das ist so unterschiedlich, das ich dazu eigentlich keine gute Antwort geben kann. Es gibt keine bestimmte Musikrichtung, aber auch keinen bestimmten Künstler, der mich so inspiriert, als das er erwähnenswert wäre.


JG: Was inspiriert Dich den zu Deinen Texten? Da werden ja vermutlich die ganzen Reisen einen erheblichen Teil ausmachen. Aber gibt es denn auch Situationen, die du musikalisch gut verarbeiten kannst?


PP: Klar, es gibt intensive Momente in meinem Leben, die ich reflektiere. Die wirklich bedeutungsvoll sind, an die ich mich erinnere oder die in meinem Leben etwas bewegt haben. Das sind Momente in denen ich in einer besonderen, manchmal auch in einer schweren Situation war. Durch die kann ich einen musikalischen Ausweg finden, mich wiederfinden, oder mich wieder in Balance versetzen.


JG: Wie wichtig ist Dir die Aussage in Deiner Musik? Oder kann Musik auch mal ohne auskommen?


PP Also inhaltlich muss es glaub gar nichts transportieren. Es passiert natürlich bei manchen Songs. Aber es ist mir jetzt nicht so wichtig. Das Wichtigste ist, das es ein Gefühl transportiert. Und das kann manchmal auch ein Song sein, der fast nur aus einem Satz besteht. Wie zu Beispiel bei der ersten CD bei ‘ Durch die Nacht ‘. Wenn ich es hinbekommen würde, nur mit zwei Worten, könnte ich mir auch vorstellen, ein Lied zu machen, wo nur zwei Worte drin sind. Es geht eigentlich immer darum, ein Gefühl oder einen Moment hörbar zu machen.


JG Hat Dir das Internet geholfen, bekannter zu werden?


PP: Das kann ich so ehrlich gesagt nicht abschätzen. Ich hab meinen Account nur, damit man es sich mal anhören kann. Aber mein Gedanke war es nicht dabei, bekannter zu werden. Ich denke es ist ein Forum.


JG: Was ist das Beste an einem Leben als Musiker aus deiner Sicht?


PP Ich genieße es unglaublich in die Stadt zu gehen, oder ins Schwimmbad auch manchmal morgens, wenn die anderen Leute an ihrem Arbeitsplatz sind. Also einfach, wenn noch nicht viel los ist. Und das ich nur ganz selten einen Wecker brauch, das finde ich am aller-angenehmsten.


JG: Gibt es irgendjemand, mit dem Du gerne mal zusammen arbeiten würdest?


PP: Also wen ich supergut finde und ihn auch gelegentlich treffe bei Veranstaltungen, ist Dendemann. Ich finde auch seine Texte super. Konkret vorstellen kann ich es mir nicht, wie es ablaufen würde. Aber ich finde es total interessant was er macht und die Gedanken die er hat.


JG: Du hast das letzte Wort!


PP: Ich freu mich heute Abend in Berlin zu sein, das noch gutes Wetter ist und ich nachher mit ein paar Freunden, die hier wohnen, noch was Essen zu gehen. Da freue ich mich jetzt wirklich unheimlich drauf!



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