Festival: So war das Chiemsee Rocks 2010 mit Blink 182, Billy Talent und Madsen – ein Nachbericht.
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26.08.2010 / Aktuell, Hervorgehoben |
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26.08.2010 / Aktuell, Hervorgehoben |
Ein Nachbericht vom Chiemsee Rocks Festival am 25. August 2010:
Wie viele andere deutsche Festivals in diesem Jahr, hatte auch dass Chiemsee Rocks 2010 ein Headliner Problem. Doch man darf sich darüber nicht wundern, gibt es doch derzeit keine wirklich großen Namen im Musikgeschäft. Und so mussten in diesem Jahr Billy Talent herhalten (die leider international nicht zu den großen Nummern zählen), Madsen (die zwar durchweg solide Arbeit auf Ihren Alben leisten, aber auch nicht gerade für Aufregendes stehen) und Blink 182 (die Ihr letztes Album vor sieben Jahren veröffentlichten und auf Platz 14 der deutschen Charts standen). Viele der jungen Festivalbesucher dürften zum Release noch eben gerade das vierte Jahr in Ihrer Grundschule verbracht haben. Insgesamt war die Aufstellung damit nicht so gut wie in den Jahren zuvor, doch abgesehen davon, gab es über das Chiemsee Rocks 2010 sehr viel Positives zu berichten:
Zum Einen gestaltete sich die Anreise sehr angenehm. Die Zugverbindung stand pünktlich eine Stunde vor Einlass am Bahnhof im kleinen Ort Übersee und das unabhängig, aus welcher Richtung man die Reise angetreten hatte. Die lieben Autofahrer hatten dagegen weniger Glück und mussten mit langen Stauzeiten rechnen, die nicht zuletzt durch die vielen Baustellen im Ort selber ausgelöst wurden. Nach etwa 20 bis 25 Minuten Fußweg hatte man vom Bahnhof das Festivalgelände erreicht und konnte um kurz nach Vier das Debüt von LaBrassBanda Sänger Stefan Dettl sehen. Es war die Premiere für das Soloprojekt und beinhaltete Rockmusik im bayrischen Gewand. Einfach umschrieben klang es wie LaBrassBanda – nur mit Schlagzeug und Gitarre. Doch in gewohnt lockerer Art hatte Stefan Dettl das Publikum schnell auf seiner Seite – wenngleich sich der Auftritt selbst, als relativ kurz herausstellen sollte und dadurch mehr nach einem kurzen Promo-Gig wirkte.
Nach erledigter Arbeit nutzten wir die Pause für eine kleine Erfrischung und mussten nicht lange suchen: Becks-Stände soweit das Auge sehen konnte. Ebenso mangelte es nicht an Essbaren und Cocktail-Bars. An überteuerte Preise bei Festivals hat man sich dagegen schon gewohnt und muss wohl an dieser Stelle auch nicht näher vertieft werden. Danach ging es wieder zum Wellenbrecher zurück und der Blick konzentrierte sich auf die nächste Band State Radio. Wir hatten bis dahin noch nichts von Ihnen gehört und nach den ersten Klängen wussten wir auch warum. Hier wollte man schätzungsweise die Brücke zum anschließenden Chiemsee Reggae Festival schlagen. Die Kalifornier spielten eine Mischung aus Rock und Ska, packten diese in gefühlvolle Reggae-Harmonien und ließen auch einmal Anleihen zu Flogging Molly aufblitzen. Doch mit Ihrer Musik wirkten Sie ein wenig fehl am Platz und erreichten nur bedingt positive Resonanzen von Seiten des Publikums.
Wesentlich dichter und voller wurde es gegen Beginn von Madsen. Menschen mit leichter Blase hatten hier die letzte Möglichkeit, sich geräuschlos in den Hintergrund zu verabschieden. Madsen selbst lieferten eine solide Show, spielten Ihre gängigen Hits und hatten am Ende noch Zeit für eine kleine Zugabe in Form der Coverversion ‘ Where Is My Mind ‘ der Pixies. Auch feierte die Hand von Sebastian Madsen erstmals wieder Ihre Premiere an der Gitarre, die aufgrund eines Bruchs im Frühjahr pausieren musste. Nach dem letzten Track verabschiedeten sich Madsen unter lautem Applaus von der Bühne und machten damit den Weg für Billy Talent frei. Die Männer vom Sicherheitsdienst bekamen nun zwischen dem Wellenbrecher Verstärkung und zeigte bereits leichte Vorahnungen dessen, was das Publikum anschließend erwarten durfte.
Als sich der Soundcheck endlich dem Ende neigte, steigerte sich die Spannung, die Lichter gingen aus und Ian D’Sa, Jonathan Gallant und Aaron Solowoniuk betraten die Bühne. Erst nach einer kleinen Instrumental-Einlage stürmte schließlich Ben Kowalewicz an das Mikrophon, und wie hätte man es sich anders denken können, die Masse vor der Bühne geriet in Bewegung. Billy Talent überzeugten mit einer wunderbaren Show, zeigten Spontanität und spielten eine ausgewogene Mischung aus Ihren bisher drei veröffentlichten Studioalben. Ja selbst die auf dem benachbarten Bauernhof wohnende Familie nutzte die Gelegenheit und beobachtete das Spektakel vom Dach Ihrer Gartenhütte aus. Das hier der Klappstuhl und das Weißbier nicht fehlen durfte, versteht sich von selbst und entlockte sogar Ben ein kurzes Lachen zu Beginn des Songs.
Ein Lob muss an dieser Stelle auch an die Security erlaubt sein, die zwischen den Fronten hervorragende Arbeit leisteten und dafür sorgten, dass niemand lange in den dichtgedrängten Reihen auf Hilfe warten musste. Mit Blink 182 folgte dann der letzte Act und der Beweis, das die drei Jungs seit Ihrer damaligen Auflösung kein Stück älter geworden sind. Ihr bekanntester Song ‘ All The Small Things ‘ aus dem Jahr 1999 fehlte natürlich nicht, doch eine Headliner-Show stellt man sich am Ende dann doch ein wenig anders vor. Zumindest hätten die Herrschaften auf so manch platten und recht einfältigen Witz verzichten können. Ebenso nahmen die Abwanderungen Richtung Ausgang, gegen Mitte des Konzerts von Blink 182, doch erheblich zu. Wiederum gut organisiert war das Ende vom Chiemsee Rocks 2010 mit der Zugverbindung, die auch alle zuletzt gebliebenen mit Leichtigkeit erreichen konnten.
Schlussendlich muss man dem Chiemsee Rocks 2010 ein Lob aussprechen. Die Organisation stimmte, die Musik war insgesamt sehr ansprechend und am Ende dankten es die Besucher mit Ihrem zahlreichen Erscheinen. Und wer weis, vielleicht geht unser persönlicher Wunsch in Erfüllung und dem Chiemsee Rocks Festival werden zwei Tage spendiert, während im Gegenzug das Reggae Festival ein wenig eingedämmt wird. Aber das haben natürlich nicht wir zu entscheiden, sondern die Organisatoren und natürlich die Besucher.- und Umsatzzahlen. Und deshalb bleibt nur noch zu sagen: Bis zum nächsten Mal auf unserem Lieblingsfestival, am Rande des schönen Chiemsees.
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