Kritik: Pop etc – ‘ Pop etc ‘ (VÖ: 08.06.2012)

am 16.06.2012 in Kritiken


Pop etc
Pop etc

 

VÖ: 08. Juni 2012
Label: Rough Trade/Beggars Group (Indigo)
Titel: 11
Spieldauer: 39:46

 

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Auf der Suche nach einer Steigerungsform für die Gattung Pop stolpert man, ganz oberlehrerwichtig, über Begriffe wie Komperativ, Superlativ, Elativ und Exzessiv, wobei letzteres – wen wundert’s – im Deutschen keine Entsprechung kennt. Exzessiver Pop also, das war gesucht – Superpop, Hardcorepop, gibt es sowas? Christopher und Jonathan Chu, Tim Or und Julian Harmon sollten mit POP etc. nahe dran sein an der Essenz. Die Jungs aus Berkeley (natürlich im sonnig-poppigen Kalifornien) nannten sich einstmals The Morning Benders und veröffentlichen unter diesem Namen auch zwei Platten, mussten dann aber erfahren, dass der Bandname in Europa allerlei Platz für homophobe Anspielungen bereithält – flugs auf‘s Unbedenklichste umbenannt und ein Album veröffentlicht.

 

Was da auf der Scheibe, die sich hinter einer Aufzählung fast sämtlicher musikalischer Stilrichtungen der Neuzeit versteckt, so alles Platz hat, ist natürlich arg dick aufgetragen – autogetunter, verteufelt eingängiger Zuckerpop, immer nahe an der Schmerzgrenze balancierend, jedoch auch immer zu intelligent gemacht, um diese ernsthaft zu überschreiten. Schmerzgrenze meint hier Stock Aitken Waterman, Bolland und Bolland, meinentwegen noch Mika, und die ist natürlich, je nach persönlichem Empfinden, fließend. Dem einen taugen ‘ Back To Your Heart ‘ und ‘ Halfway To Heaven ‘ als veritable Ohrenschmeichler, andere winken hier schon entnervt ab, der Powerpop von ‘ R.Y.B. ‘ inklusive breitbeinigem Gitarrenriff wird wahrscheinlich auf ebenso viel Zuneigung und Ablehnung treffen wie das quietschfidele Abschlußgehopse ‘ Yoyo ‘.

 

Angenehmer, weil nicht ganz so penetrant ausgelassen, Stücke wie ‘ Keep It For Your Own ‘, ‘ Everything Is Gone ‘ und ‘ Whyd You Do It Honey ‘, richtiggehend perfekt ist ‘ I Wanna Be Your Man ‘ gelungen – eine Art trippiger, elektrischer Surfsoundbastard. Allgemein gilt: POP etc. darf und muss man mögen, Frühstücksradiomusik für gehobene Ansprüche, wie geschaffen dafür, dem trägen Geist zu Tagesbeginn auf die Beine zu helfen und dem lahmen Sommer einen Kick zu verpassen. Mehr sollte man dann aber auch nicht erwarten.

 

martin lorenz ]

 



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