am 18.05.2013 in Konzertberichte, Konzerte & Festivals

Autobahn. Bier. Ostsee. Jugendzentrum. Rumknutschen auf dem Spielplatz. Bier. Rauchen. Bier. Sommerferien für immer. Eis am Stiel und Schwimmbäder bei Nacht. Bilder, die Chuckamuck wohl bestens beschreiben und zu illustrieren wissen. Nicht die schlechtesten Assoziationen, die man wecken kann. Wahrscheinlich sind das sogar die heimlichen Träume vieler Heranwachsender und sicherlich der Grund, weshalb die Berliner das Ideal einer Schülerband zu sein scheinen. Vorbild und Botschafter all jener, die ihre Adoleszens in irgendeiner Garage verbrachten und verbringen. Heute Abend also das erste Mal in Hamburg, wo ein leichter Sommerregen die Leute ins Molotow treibt, wo man von mehr als sommerlicher Luft empfangen wird. Die Bühne in der üblichen Do-it-yourself-Ästhetik geschmückt mit einer Art Bettlaken auf dem der Bandname gesprüht ist. Sänger und Gitarrist Lorenz, barfuss, die dünnen Beine ragen aus einem Krankenhaushemd, das Outfit komplimettiert durch eine Rauschgoldengel-Perücke. Eventuell die Visualisierung des ‘ Geistergirl ’, man weiss es nicht. Bassist Jules mit Pornobalken und Sänger Oska Walds charmant-kratzige Ansagen: „Ähm.“
am 11.05.2013 in Hervorgehoben, Konzertberichte, Konzerte & Festivals

„Alright, kids?“, fragt Woodlands-Drummer Niklas Korsell. Ja, the kids are alright. And they are out tonight. Somewhere. Leider sind sie nicht alle im Knust, wo heute Abend das dritte Pass!on Victim mit eher überschaubarem Publikum steigt. Aber schließlich ist das Anliegen dieses Konzertabends, eine Mischung aus Festival, Wohnzimmerkonzert und WG-Party zu sein – und heute überwiegt nun einmal der Aspekt des Wohnzimmerkonzerts. Popkultur-Ikone und Moderator des heutigen Abends Steve Blame bringt es auf den Punkt: „Wir sind nicht viele, aber wir haben Spaß.“ Die Schweden Woodlands eröffnen den Abend. Ihr eingängiger, entschleunigender Folk-Pop macht den Kopf frei. Die Noise-Gitarre, die ab und an von der Leine gelassen wird und Sara Wilsons klare Stimme halten das Ganze zusammen und bringen eine gewisse Kraft in die Songs.
am 05.05.2013 in Hervorgehoben, Konzertberichte, Konzerte & Festivals

Und dann hat er ihn gegessen. Den Van Gogh. Natürlich nicht am Stück, das wäre nun wirklich unrealistisch. Der alte Meister schmecke übrigens wie Quark. Was sollen uns diese weisen Worte Eddie Argos‘ zu seinem Besuch in einem Kunstmuseum im Song ‘ Modern Art ‘ bloß sagen? Eine versteckte Kritik am Kunstmarkt? Ein Plädoyer gegen den Veganismus, da Kunst gleich Quark und Quark gleich Kunst ist? Oder das heimliche Geständnis des Kunstdiebes von Rotterdam? Wie auch immer, Argos haut damit, auf- und abspringend inmitten des Hamburger Publikums, erneut ein zitierenswerte Geschichte raus, die perfekt in das schräge Art Brut-Kosmos passt.
am 18.04.2013 in Hervorgehoben, Konzertberichte, Konzerte & Festivals

Was verbirgt sich eigentlich hinter den rauschenden Tiefen von Ben Caplans Bart? Ich bin sicher, dort muss doch so etwas wie eine Verstärker unter diesem wuchernden Etwas sein, der die markante Stimme des Kanadiers dröhnen und diese Hütte, die sich der Grüne Jäger nennt, zum Erzittern bringt. Diese Stimme. Rau wie die Stahlwolle kanadischer Dickhornschafe, murmelnd wie das Geräusch herabfallenden Laubes am Ende des Indian Summer, warm, umarmend und gut geölt durch Whiskey. Eine Art Schlafzimmerstimme, aber eher die eines flanellhemdentragenden Holzfällers denn eines der üblichen Singer-Songwriter, nur unterbrochen durch das wahrscheinlich dreckigste Lachen, das ich seit langem gehört habe. Ben Caplan passt perfekt in den Grünen Jäger, diese enge, dunkle, aber trotzdem charmanten, um es mit Bens Worten zu sagen, „gemutlichten“ Kneipe.
am 03.04.2013 in Hervorgehoben, Konzertberichte

Wann ist der gute, dreckige Indie-Rock eigentlich gestorben? Vielleicht als sich die Libertines aufgelöst haben? Oder als die Strokes begannen, sich im eigenen „Stroke-Rock“ zu verlieren? Vielleicht war der Indie-Rock auch nie tot, sondern hat sich nur simuliert, hat vielleicht irgendwo auf einer einsamen Insel sein Dasein gefristet, gut möglich, dass er mit der Zeit fett geworden ist und sich gelangweilt hat. Doch nun scheint eine junge englische Band ihn gründlich abgestaubt und wiederbelebt zu haben. Palma Violets gelten als die Retter des Indie und vor allem als geniale Liveband, und dementsprechend sind die Erwartungen an das heutige Konzert hoch. Nun gut, als dann nach dem Opener ‘ Bombay Show Pig ‘, die guten, rumpeligen Lo-Fi-Rock lieferten, die Lightshow aufgefahren wird (bunte Lichter in den vier Basisfarben) und Reggae aus den Boxen ertönt, hat das Molotow mal wieder den Charme eines Partykellers.
am 20.03.2013 in Hervorgehoben, Konzertberichte

Das Aushängeschild eines Künstlers, das Objekt, das vor einem Konzert die meisten Erwartungen schürt und den Stil und Stand einer Band repräsentiert, das ist nicht etwa das Equipment oder der Bühnenaufbau. Nein, seit heute ist mir klar, dass es nur eins sein kann: Der Roadie. Denn träumt nicht jede junge Band heimlich davon, einen hipsterverdächtig-bärtigen Bühnentechniker in einem Overall mit ihrem eigenen Konterfei auf dem Rücken gedruckt zu beschäftigen? Jamie Lidells Roadie entspricht zumindest diesem Ideal. Des weiteren ist der besagte Hosenanzug noch mit „Team Lidell“ beschriftet. Das hat durchaus was. Ähnlich „dekadent“ mutet auch der Bühnenaufbau an. Lidell ist auf dieser Tour ohne Band unterwegs, das einzige Equipment ist ein DJ-Pult, verkleidet mit silbernen Platten, die, richtig beleuchtet, der graphischen Büste auf dem Cover seines im Februar erschienenen selbst betitelten Albums Jamie Lidell ähneln.