am 09.06.2013 in Kritiken
Austra
Olympia
VÖ: 14. Juni 2013
Label: Domino Records (Goodtogo)
Titel: 12
Spieldauer: 45:47
Beginnen wir in zeitlich korrekter Reihenfolge: am Anfang war ‘ Home ‘ als erste Single von Austra und verblüffte mit sehr reduzierten Arrangements. Keine glitzernden Synths, brutzelnde Beats oder gequälte Gesänge von Katie Stelmanis, die Ihre Stimme in einer dichten und stählernen Dunkelheit versteckte. ‘ Home ‘ wird von einem schmucklosen Klavier begleitet, “You know that it hurts me when you don’t come home at night,” ertönt es dazu von Katie in die einsame und nächtliche Atmosphäre. Es sind ausdrucksstarke Gesänge, die von dramatischer Instrumentierung und überraschend geschmeidigen Beats verstärkt werden. “This is the album where we discovered rhythm,” so die Worte von Stelmanis. “We are really into dense harmonies and big beautiful melodies, but I also love techno and dance music. I wanted to bring those elements together.” Als zweite Singel hat man sich für ‘ Painful Like ‘ entschieden – dem krassen Gegenteil zu ‘ Home ‘.
am 09.06.2013 in Kritiken
Miles Kane
Don’t Forget Who You Are
VÖ: 31. Mai 2013
Label: Smi Col (Sony Music)
Titel: 11
Spieldauer: 32:45
Bei dem Namen Miles Kane denkt man unweigerlich an The Rascals, aber auch an die zahlreichen Kollaborationen aus den vergangenen Jahren, wie Alex Turner oder Noel Gallagher. Für sein zweites Soloalbum ‘ Don’t Forget Who You Are ‘ schnappte sich der Mann aus Birkenhead namhafte Songwriter-Kollegen wie Paul Weller, Andy Patridge (XTC), Kid Harpoon und Ian Broudie der Lightning Seeds. Letzterer produzierte das gesamte Album. Nach den Worten von Kane, sollten die neuen Songs schlank klingen. “Für mich war es das Wichtigste, dass an den Songs des neuen Albums kein Gramm Fett zu viel ist“, erklärt er und neben seinen unverblümten Texten, gehört die radikale Eindämmung und brutale Einfachheit zu den großen Stärken des Albums. Nach der 18-monatigen Phase, in der Kane ohne Pause ausverkaufte und ziemlich wilde Konzerte und Festival-Auftritte gab, fügen sich die neuen Tracks nahtlos in dieses Live-Konzept ein und bilden damit die Grundlage für die neu entfachte Energie, die besonders im dritten Stück ‘ Better Than That ‘ groß auftrumpfen kann.
am 07.06.2013 in Kritiken
Editors
The Weight Of Your Love
VÖ: 28. Juni 2013
Label: Play It Again Sam (rough trade)
Titel: 11
Spieldauer: 44:23
Böse Stimmen behaupten ja, die Editors könnten bisher nur eine einzige respektable Platte vorweisen. Alles, was die Jungs nach dem Debüt ‘ The Back Room ‘ abgeliefert hätten, wäre demnach nicht mehr als die traurige Dokumentation des musikalischen Niedergangs einer einstmals so hoffnungsvoll gestarteten Band. Böse, wie gesagt. Und ebenso übertrieben. Natürlich war der Erstling, entstanden im Windschatten der New Yorker Interpol, mehr als nur beachtlich, Tom Smith gab auf den Konzerten im Gegensatz zum eher unterkühlten Sound der Band auf der Bühne den entfesselten Derwisch, Stücke wie ‘ Munich ‘, ‘ All Sparks ‘, ‘ Lights ‘ und ‘ Fall ‘ bekamen schnell ein großes und begeistertes Publikum – das klang nach mehr. Doch schon ‘ An End Has A Start ‘ geriet etwas lau, Spinnen, Rattenrennen und Weltgewicht, war die Luft etwa schon wieder draußen? Wer jetzt jedoch den Abgesang anstimmen wollte, war zu früh dran – mit ‘ In This Light And On This Evening ‘ gelang der Formation aus Birmingham eine so nicht erwartete Kehrtwende hin zu mehr Elektronik, es wurde wieder düsterer und eben auch besser, das Titelstück selbst, ‘ Papillon ‘ und ‘ Eat Raw Meat = Blood Drool ‘ erwiesen sich als veritable Achtungszeichen.
am 06.06.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Emika
DVA
VÖ: 07. Juni 2013
Label: Ninja Tune (rough trade)
Titel: 15
Spieldauer: 1:00:44
So kennen wir den Sommer: wir denken an Festivals, an die vielen schönen Tage in diesen Monaten, an Menschen die sich in der strahlenden Sonne amüsieren, ein Bier trinken und einfach nur Spaß haben. Der Geruch von gegrilltem Fleisch liegt uns in der Nase und während der brütenden Atmosphäre schleicht sich plötzlich eine durchdringende Stimme an unsere Ohren. Begleitet wird die uns dargebotene tschechische Opernsängerin Michaela Šrůmová von einer herrlich orchestralischen Schwellung, die mit 28 Streichern aufwartet und uns damit ein ziemlich kühnes Eröffnungsstück präsentiert. Dahinter versteckt sich Emika, die uns in der Zwischenzeit zurück in die Wohnung führt, die Jalousien herunter lässt, das Licht dimmt, im Anschluss die Bettdecke hochzieht und uns dort die dunkle Schönheit mit Namen ‘ DVA ‘ vorstellt. Der Sommer ist damit restlos in Vergessenheit geraten.
am 04.06.2013 in Kritiken
Big Deal
June Gloom
VÖ: 31. Mai 2013
Label: Mute Artists Ltd (Goodtogo)
Titel: 12
Spieldauer: 49:26
Im Frühling 2012 begannen Big Deal mit den Arbeiten am zweiten Album. Mit der Hilfe von Produzent Rory Atwell (Veronica Falls, PAWS, Male Bonding) und einigen ungewohnten Rhythmusinstrumenten nahmen dei Beiden Ihre neue Platte schließlich in nur zwei Wochen im Lightship95, einem zugemoosten, fensterlosen Schiffswrack am East-Londoner Trinity Buoy Wharf, die in Kalifornien entstandenen zwölf Songs des neuen Albums auf. Zuvor allerdings machte man sich in Kalifornien an die Vorbereitungen zu ‘ June Gloom ‘ und irgendwie ist letztlich auch genau diese Mischung aus sorglosen kalifornischen Sommertagen und nassfeuchten Räumen bei vollkommener Dunkelheit daraus entstanden. Sehr passende Beispiele dazu bieten uns einmal das mit Surf-Rock Anleihen gespickte Pixies-artige ‘ In Your Car ‘ mit dem infektiösen und bezaubernden Chor zwischen Dramaturgie, Vollmundigkeit und Emotionalität. “I’ve got a friend who never lets me down” singt Costelloe in hingebungsvoller Sehnsucht, während ‘ Teradactol ‘ bereits in den ersten Sekunden keine Zweifel an der stahlharten Umantelung aufkommen lässt.
am 03.06.2013 in Kritiken
My Name Is Music
Super Acceleration
VÖ: 14. Juni 2013
Label: Las Vegas Records (Broken Silence)
Titel: 11
Spieldauer: 38:43
Gitarren, Synths und Drum-Machinen mutieren zu sehr stumpfen Instrumenten in den Händen von My Name Is Music, der zweiköpfigen Band aus Österreich, die mit ‘ Super Acceleration ‘ nun schon Ihren dritten Langspieler veröffentlicht. Manchmal erklingen wohltuende Akkorde, doch meistens beschränken sich Phoebe Hall und Niki Altmann auf einzelne Töne oder Verzerrungen, die während den rudimentären Beats aus den spärlichen Harmonien eine überlappende Obsession der Liebe, Wut und rohen Notwendigkeit aufsteigen lassen. Das Ergebnis ist ein staubtrockener und markanter Indie-Rock/Dance Mix, der besonders in ‘ Computer Game ‘ ein unheimlich dynamisches Eigenleben entwickelt. “This is a fatal error/ We make it again and again/ We love making fatal errors/ 404 Number 10“. Und auch das zweite Stück ‘ My Favourite Drug ‘ entfacht einen steigenden Blutdruckwert, die Stimmung brodelt in der großzügig angelegten Atmosphäre bis an die Decke und einmal mehr sitzt das Rockverständnis des Duos am richtigen Platz.