am 30.05.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Laura Marling
Once I Was An Eagle
VÖ: 24. Mai 2013
Label: Virgin (Universal)
Titel: 16
Spieldauer: 1:03:13
“Als ich gegen Ende 2011 damit begann, die Songs für mein neues Album zu schreiben, wohnte ich gerade in einer recht bescheidenen Wohnung, oben im Dachgeschoss eines Londoner Reihenhauses“. Es klingt wie die Erzählung einer jungen Nachwuchskünstlerin und doch sprechen wir hier von Laura Marling, die dort zwei verborgene Vorzüge erkannte: die eine Sache war ein Plattenspieler, die andere ein illegaler Zugang auf das Flachdach des Hauses. Von dort oben durfte man einen wunderschönen Blick auf die Stadt genießen und irgendwie könnte man es sich sehr gut vorstellen, dass von diesem Platz aus die Grundideen zu ‘ Once I Was An Eagle ‘ entstanden sind. Schlichte Geschichten über lose basierende Zusammenhänge, über das gesehene und gedachte und letztlich die resultierenden Einsichten mit anderen Menschen zu teilen. ‘ Once I Was An Eagle ‘ ist schlussendlich länger als der Durchschnitt der konventionellen Standard-Alben ausgefallen, aber Hitkandidaten für das Radio, so die Worte von Laura Marling, wird man vergebens suchen.
am 24.05.2013 in Kritiken
City and Colour
Hurry & the Harm
VÖ: 31. Mai 2013
Label: Cooking Vinyl (Indigo)
Titel: 12
Spieldauer: 48:23
Eine klar definierte Aussage: “I just wanted to make an honest record.” Es sind die Worte von Dallas Green, auch bekannt als City and Colour. Mit dem eröffnenden Song befinden wir uns dann auch direkt im gleichnamigen Titelstück und erleben darin üppige Gesänge, Folk-behangene Instrumentierungen und Akustik für den bescheidenen Klang. “I don’t want to make it sound like it’s over-produced.” Daran hält sich der Mann aus Ontario, Kanada, die gesamte Platte über grenzt sich damit auch deutlich zu einer früheren Band Alexisonfire ab, die schon mal gerne die Gitarren auf schmerzliche Art und Weise malträtierten. City and Colour begann als eben dieses akustische Nebenprojekt im Jahr 2004 und erlaubte Ihm den Ausgleich zu der schweren und Lärm-beladenen Band. Die erste Single aus seinem neuen Album zog Vergleiche mit den Black Keys, als eingängige Blues-Rock-Vibrationen die Boxen erschütterten.
am 24.05.2013 in Kritiken
Primal Scream
More Light
VÖ: 10. Mai 2013
Label: Ignition (Indigo)
Titel: 13
Spieldauer: 1:08:56
Zugegeben, irgendwann kurz nach der Jahrtausendwende sind einem Primal Scream abhanden gekommen. Der blitzsaubere Rave von “Screamadelica” war zwar immer noch unter ‘best longplayers ever’ in der Großhirnrinde abgespeichert, doch Rave war gerade nicht mehr so gefragt und David Holmes hatte den Jungs mit ‘ XTRMNTR ‘ die wohl spleenigste Platte ihrer Karriere untergejubelt (Kill all Hippies, Swastika eyes, hoho!) – abgelegt. Und nun soll sich olle Bobby Gillespie (wieder mit Holmes) anschicken, etwas Nennenswertes zum Popdiskurs beizutragen? Wer’s glaubt … der alten Verbundenheit wegen also doch mal ein Interview rausgekramt – nun, der Junge scheint richtig sauer: Der Zustand der Gesellschaft, das Verhalten der eigenen Musikerzunft lassen ihn verzweifeln, kritische Selbstbetrachtung, Hinterfragen, ehrliche Auflehnung – alles Fehlanzeige, alles Pose, alles verdorben, bullshit wohin man schaut.
am 23.05.2013 in Kritiken, MP3 & Streams, Platten der Woche
Is Tropical
I’m Leaving
VÖ: 24. Mai 2013
Label: Cooperative Music (Universal)
Titel: 10
Spieldauer: 40:13
Kürzlich haben Is Tropical ein gewagtes Musikvideo veröffentlicht, in dem man einen Jungen beim onanieren beobachten kann. Das englische Trio Gary Barber, Simon Milner und Dominic Apa konnten dafür die französischen Kreativköpfe von MEGAFORCE gewinnen und diese zeigten darin eine Art irrwitziger Fortsetzung pubertärer Jungsträume: die Waffen weichen den Frauen. ‘ I’m Leaving ‘ ist das dazugehörige zweite Studioalbum der drei Londoner. Produziert wurden die neuen Songs von Luke Smith (Foals, Depeche Mode) und orientieren sich an den Sound des Brit Pops und Psychedelica der frühen 70er Jahre. Treibende Kraft auf der neuen Platte sind die hinterfragenden Lyrics, die mit einer motivierenden Stimme in funkelnde und elektronische Abschnitte eintauchen – glücklich und zufrieden mit einem dumpfen und schmierigen Unterton. “I never learnt to cry, I never questioned why”, heißt es da und erinnert auch ein bisschen an ‘ Pure ‘ von The Lightning Seeds. Auch ist durch den weiblichen Gesang neben Sänger Simon Milner die Hektik aus dem Debüt einer entspannten Gelassenheit gewichen.
am 20.05.2013 in Kritiken
Daft Punk
Random Access Memories
VÖ: 17. Mai 2013
Label: Smi Col (Sony Music)
Titel: 13
Spieldauer: 1:14:31
Seit jeher sind Fragen, die uns zum Thema Zukunft und künstliche Intelligenz einfallen, entweder sehr komplex oder sehr wirr, bestenfalls auch beides. Da hätten wir: “Dream androids of electric sheep?” (Dick) oder “Are Friends Electric?” (Numan) und natürlich “The ultimate question of life, the universe and everything“ (Adams). Na gut, die Antwort auf letzteres ist soweit klar – 42, für den Rest steht sie allerdings noch aus. Weitaus einfacher sollte aber zu klären sein, ob Roboter denn eigentlich tanzen können. Selbstverständlich können sie, Kraftwerk haben diesen Beweis schon in den Siebzigern auf geniale Weise erbracht. Was bei der Sache damals allerdings gröbstens vernachlässigt wurde, war der Spaß an der Sache. Und hier nun kommen Guillaume Emmanuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter ins Spiel. Denn wenn ein Roboter Wert auf intelligente (vorausgesetzt) und zugleich lässig/coole (empfohlen) Tanzmusik legt, dann landet er seit 1993 unweigerlich bei Daft Punk, dem nicht minder genialen Projekt der beiden Franzosen. Und – noch einmal ein kräftiges “Ja!” – die Maschinen können sich gemeinsam mit uns Menschen freuen, denn die neue Daft Punk ist genau für sie wie für uns: The Soundtrack of our digital live.
am 20.05.2013 in Kritiken
The National
Trouble Will Find Me
VÖ: 17. Mai 2013
Label: 4ad/Beggars Group (Indigo)
Titel: 13
Spieldauer: 55:03
Matt Berninger ist kein einfacher Mensch. Und er ist ganz sicher nicht das, was einem zwingend zur Spezies Rockstar einfällt. Gerade erst eröffnete „Mistaken For Strangers“ das New Yorker Tribeca Film Festival, eine Livedokumentation seines jüngeren Bruder Tom, der sich für die Dauer einer Konzerttournee von The National als Newbie unter die Roadies mischte und fortan die Kamera gnadenlos auf alles draufhielt, was ihm berichtenswert schien. Kurz: Tom meets Matt und Matt hatte nicht selten die Nase gestrichen voll davon. Neben all den stimmungsvollen Bühnenbildern flogen so auch mal Gegenstände durch die Leinwanddiagonale, Geschrei, Kopfschütteln, Bilder mit Wahnwitz und Ironie, der ganze Irrsinn eben. In einer Einstellung lässt sich der Bandleader geduldig mit weiblichen Fans in der Öffentlichkeit ablichten – quietschbuntes, aufgekratztes Gekicher und Getuschel im Großstadtrummel, mittendrin der schwarzgewandete, stoisch dreinblickende, sonnenbebrillte Berninger, der hier nur das tut, was er muß, und nicht das, was er mag.