am 17.05.2012 von Kritiken, Platten der Woche
2:54
2:54
VÖ: 08. Juni 2012
Label: Cooperative Music (Universal)
Titel: 10
Spieldauer: 41:53
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Es stockt einem der Atem. ‘ Revolving ‘ steht vor deiner Tür. Es dringt durch die kleinen Luftschlitze ein, der umhüllende Klang zerrt uns kurz darauf in die dunklen, atmosphärischen Weiten des Schwestern-Duos Colette und Hannah Thurlow. 2:54 zeigt die Uhr am Handgelenk an, bevor auch diese in der zeitlosen Welt Ihren Sinn und Zweck aufgeben muss. Überhaupt spielt dieser Moment eine tragende Rolle im Leben der beiden Geschwister, denn exakt zu diesem Zeitpunkt erklingt auch die Lieblingsstelle eines Songs der Melvins. Doch Ihre eigenen Songs sind unscharfe und verzerrte Spheren voller lautstarker Gitarren, die bereits im Eröffnungsstück ‘ Revolving ‘ unheimlich temperamentvoll die geisterhafte Erscheinung verlassen und reflektierende Figuren mit Ihren schwarz umrandeten Augen in einer spektralen Atmosphäre die hingebungsvollste Verführungskunst anwenden – die in den letzten Jahren wie ausgestorben schien.
am 11.05.2012 von Kritiken, Platten der Woche
Simian Mobile Disco
Unpatterns
VÖ: 11. Mai 2012
Label: Wichita/Play It Again Sam (rough trade)
Titel: 09
Spieldauer: 70:16
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Auch wenn es überhaupt nicht in die neue Philosophie von Simian Mobile Disco fällt, der Höhepunkt auf dem neuen Album ‘ Unpatterns ‘ direkt zu Beginn: Ihr Song ‘ Put Your Hands Together ‘ mag mit dem etwas klischeehaften Titel etwas über die geniale Umsetzung hinwegtäuschen, doch hier durchbrechen wir den Knackpunkt. Es ist eine nahtlose Verbindung an warmen, weitgespannten Melodien mit unbeirrbaren und funkelnden Beats. Als Vergleich folgt im späteren Verlauf die Nummer ‘ The Dream Of The Fisherman’s Wife ‘ und damit ist auch die stilistische Offenheit von Simian Mobile Disco im Jahr 2012 eine breitgefächerte Palette über zeitgenössische Elektronik, hin zu experimentellen Sounds, groovendem House und epischen Melodien. Es ist nunmal Ihre Spezialität. James Ford und Jas Shaw fluten die weitläufigen Landschaften mit Ihren wärmenden Melodien, man nehme dazu den Song ‘ Your Love Ain’t Fiar ‘, und mischt dazu verführerische Gesangs-Loops.
am 04.05.2012 von Kritiken, Platten der Woche
Cold Specks
I Predict a Graceful Expulsion
VÖ: 18. Mai 2012
Label: Mute – Aip (Goodtogo)
Titel: 11
Spieldauer: 47:34
Präzise definierte Tonhöhen, wohlgeformte rhythmische Strukturen und eine gesangliche Klangerzeugung, die nicht nur eine der ältesten und ursprünglichsten musikalischen Äußerungsformen der Menschen ist, sondern auch im Debüt ‘ I Predict A Graceful Expulsion ‘ völlig neue Dimensionen entdeckt. “Born all in the dark wormy earth, cold specks of fire, evil, lights shining in the darkness“, heißt es dazu von James Joyce und Al Spx aka Cold Specks gehört dabei ohne Frage zu den Ausnahmeerscheinungen in diesem Jahr. Die 23-jährige zählt die Aufnahmen des amerikanischen Musikforschers Alan Lomax, den US-Soul-Sänger James Carr sowie Bill Callahan und Tom Waits zu ihren musikalischen Vorbildern. Ihre raue Soul-Stimme klingt dabei atemberaubend und bereits im Eröffnungsstück ‘ The Mark ‘ ergreift Cold Specks, zu reduzierten Gitarren, nach Ihrer Wunderwaffe.
am 28.04.2012 von Kritiken, Platten der Woche
Tu Fawning
A Monument
VÖ: 04. Mai 2012
Label: City Slang (Universal)
Titel: 09
Spieldauer: 45:01
Von der ersten Note an aus dem neuen Album ‘ A Monument ‘ wird klar, dass diese Eigenproduktion von Tu Fawning wesentlich üppiger und zugänglicher ausfallen wird. ‘ Anchor ‘ taucht zugleich in eine wunderbare innere Spannung hinab, erscheint dabei ungewohnt poppig und entlädt sich gegen Ende in lauten Trommelschlägen und euphorischer Perkussion. ‘ Blood Stains ‘ ist dann ein abrupter Wechsel in trockene Arrangements, deren Inspirationen im R’n'B zu finden sind. Dazu eine altmodisch klingende Orgel, ein Saxophon und die außergewöhnliche Stimme von Corrina Repp. Immer noch dunkel, immer noch dramatisch, natürlich der tragende Stützpfeiler auf dem zweiten Album ‘ A Monument ‘. Das Album besticht in den ersten Minuten besonders durch den Mut zum Einfallsreichtum, durch einprägsame Gitarrenriffs und durch die euphorischen Gesänge.
am 19.04.2012 von Kritiken, Platten der Woche
Parov Stelar
The Princess (Part 1)
VÖ: 20. April 2012
Label: Etage Noir (Soulfood)
Titel: 15
Spieldauer:
Eine kultivierte, elegante Form und eine perfekte äußere Erscheinung. Eleganz umschmeichelt einmal mehr die aktuelle Veröffentlichung von Parov Stelar. ‘ The Princess ‘ wurde dabei in zwei Hälften geteilt. Die meisten Stücke der ersten CD spiegeln eine spezielle, emotional fordernde und bedachte Grundstimmung wieder. Dabei spielt das Piano eine tragende Rolle, während CD 2 hingegen eine Kollektion an Songs bietet, die bislang unveröffentlicht oder auf Vinyl erschienen sind. Die Kritik dazu findet Ihr an dieser Stelle im Blog. Traumhaft ist die Eröffnung. Geigen und ein Klavier erzeugen cineastische Qualitäten und große Bilder. Anschließend katapultiert uns Marcus Füreder mit der zweiten Nummer ‘ All Night ‘ in seinen unverkennbaren Stil. Der unantastbare Electro-Swing ist altbewährt und doch so unaufhörlich frisch. Die Begeisterung steigt wie ein elektrischer Puls vom Herzen in die Beine – Parov Stelar verführt mit hypnotischen Trompeten und zieht den Hörer auch im nächsten Stück ‘ Nodody’s Fool ‘ nicht von seiner geliebten Tanzfläche.
