am 08.02.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Foals
Holy Fire
VÖ: 08. Februar 2013
Label: Warner Music International (Warner)
Titel: 11
Spieldauer: 49:37
Im Jahr 2008 kaufte ich mir meine erste Heimkinoanlage und ich kann mich noch so gut wie heute daran erinnern, die erste musikalische Einheit nannte sich ‘ Antidotes ‘ und diese wurde einen Monat zuvor von den Foals veröffentlicht. Ich lag auf meinem Bett und brachte meinen Körper für viele Stunden nicht mehr von dort wieder weg. Geliebte Synthie-Sounds, ich lernte euch in dieser Zeit das erste Mal lieben. Die haarsträubende Verschmelzungen mit Funk war eine vollkommen neue Erfahrung für mich. Eine wundervolle Zeit. Vielleicht auch deswegen, durch die stark einprägenden Erinnerungen, war ‘ Total Life Forever ‘ für mich eine Enttäuschung und auch wenn die Schallplatte seit Veröffentlichung bei mir in einem der Regale steht – verschmäht habe ich sie bis heute. Mittlerweile gibt es deswegen keinerlei Gründe mehr, die gegen eine vollständige Rotation sprechen würden, aber Ihr kennt die Erfahrung womöglich auch selbst – so ein tiefsitzender Widerwille aus vergangenen Zeiten lässt sich nur sehr schwer überwinden.
am 02.02.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Navel
Loverboy
VÖ: 08. Februar 2013
Label: Nois-O-Lution (Indigo)
Titel: 11
Spieldauer: 49:51
Alleine wegen diesem Artwork haben es Navel eigentlich schon verdient, hier im Blog Ihre erste Platte der Woche präsentieren zu dürfen. Ich habe zwar keine Ahnung, warum der kleine Mann mit dem knuddeligen Gesicht und den blonden Haaren einen dicken Stein in den Händen hält, aber womöglich dient der Gesteinsbroken auch nur dafür, dass er mit seinem Hintern nicht auf den ebenso steinigen Boden plumpst. Eine präzise Gleichgewichtsberechnung also. Aber egal. Letztlich bleibt es ein niedlicher Anblick und damit möchte ich auch das Thema abschließen, bevor mit dem Titel des Albums noch seltsame Gedanken die Kehle hochsteigen. ‘ Loverboy ‘ ist nämlich musikalisch gesehen, die nächste brillante Veröffentlichung zwischen Rock, Noise, Blues, Punk und Grunge – ganz in der Tradition der US-Musikgeschichte. Im zweiten Stück ‘ The Sun For Me ‘ begegnen uns dann die bekannten und geliebten Klänge, wunderschön verschrobene Gitarren-Riffs und eine leicht melancholische Grundstimmung zwischen ehrfürchtiger Verneigungen an glorreiche Epochen der Rockmusik und der markanten Reibeisenstimme von Sänger Jari Antti.
am 25.01.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Motorama
Calendar
VÖ: 25. Januar 2013
Label: Talitres (rough trade)
Titel: 10
Spieldauer: 36:02
Ich hätte es damals eigentlich nicht für möglich gehalten, dass Motorama einen offiziellen Langspieler in Deutschland veröffentlichen könnten. Aber in solchen Momenten lasse ich mich natürlich sehr gerne eines Besseren belehren und war dementsprechend überrascht, als ich durch Zufall bei der neuen Platte ‘ Calendar ‘ gelandet bin. Zu verdanken habe ich diesen glücklichen Umstand ‘ One Moment ‘ aus dem vorletzten Jahr. airin marchenko (Bass, Keyboard, Gesang), vladislav parshin (Gitarre, Gesang), maksim polivanov (Gitarre, Keyboard), alexander norets (Keyboard, Gesang) und roman belenkiy (Schlagzeug) spielen einen verschneiten new wave der 1980er jahre mit unverkennbaren einfluss der unerreichten joy division. um aktuelle vergleiche heranzuziehen fallen einem die frühen Editors und Interpol ein. Aber eben alles viel entspannter. Die perfekte Medizin für den schnelllebigen Alltag – garantiert ohne Nebenwirkungen. Dementsprechend wurde auch das Artwork bestens inszeniert, wenngleich man nach meinem Geschmack die Berge mit einer zarten Schneedecken hätte überziehen müssen. Aber das sind nebensächliche Details am Rande…
am 16.01.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Kyla La Grange
Ashes
VÖ: 18. Januar 2013
Label: Ioki Records (Sony Music)
Titel: 11
Spieldauer: 48:32
Ach…es ist einfach nur traumhaft schön, wie im zweiten Stück ‘ Courage ‘ die Gitarren den euphorischen Refrain noch eine weitere Ebene nach oben tragen und man selbst wie gefesselt und mit starren Blick die weltlichen Umrisse langsam hinter sich lässt. So phantastisch gelungen dieses Debütalbum von Kyla La Grange geworden ist, so deplatziert und dämlich ist auf der anderen Seite die unsachliche Kritik des NME, der auszugsweise solche Sachen von sich gegeben hat: “It’s as incongruous as seeing a stick figure framed in ornate gold leaf. It sits on the album like a noxious, sticky film, asphyxiating any organic talent that may threaten to surface, and turns it into an immature-sounding 13 tracks..” Bitte, davon darf sich niemand beeinflussen lassen. Und deshalb nun zu einer sachlichen Gegenüberstellung, in der wir zu Beginn Kyla selbst über sich erzählen lassen: “I wasn’t a very happy child,” gesteht Sie in Hinblick auf das Songwriting. “It led me to write songs and draw pictures – stuff you can do on your own. I have so many booklets of songs from when I was 12 or 13, and they’re so depressing!”
am 10.01.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Thao and the Get Down Stay Down
We The Common
VÖ: 01. Februar 2013
Label: Domino Records (Goodtogo)
Titel: 12
Spieldauer: 36:28
‘ Bag Of Hammers ‘ ist nach vier Jahren noch immer mein funktionierendes Rezept gegen schlechte Laune. Thao With the Get Down Stay Down haben mich damals über viele Monate gefesselt und diesen einen bleibenden Eindruck tief in meinen Gehirnwindungen eingepflanzt. Heute war wieder einer dieser Tage und während also die endlosen Stunden mit hängenden Köpfen Ihre Füße über den Aspahlt schleiften, suchte ich nach meinen verschollenen positiven Gedanken. Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben. So ein Zitat aus dem alten China und damit war meine Entscheidung gefallen. Das neue Heilmittel gegen die trübsinnigen Gedanken kann nur der neue Song ‘ We The Common (For Valerie Bolden) ‘ aus dem ebenso neuen Album sein. In ihrer Wahlheimat San Francisco sowie in Dallas aufgenommen, hat mich sogleich die rauchige Stimme von Thao Nguyens und deren immer wieder entzückende Unbekümmertheit in den Bann gezogen. Dieser Track ist eine unverwüstliche Pop-Absicht.
am 04.01.2013 in Kritiken, Platten der Woche
Ducktails
The Flower Lane
VÖ: 25. Januar 2013
Label: Domino Records (Goodtogo)
Titel: 10
Spieldauer: 40:23
Die weichen Melodien des Dream-Pops umspülen in den ersten Minuten unsere Gehörgänge, wenn ‘ Ivy Covered House ‘ mit Intimität und atmosphärischen Arrangements an Gitarrenpop-Ikonen wie Aztec Camera und Prefab Sprout erinnern. Bei ‘ The Flower Lane ‘ blickt Matt Mondanile von seinem Bett an die Decke des Schlafzimmers, projiziert dorthin Schichten an prismatischen Gitarren und zaubert nostalgische Räumlichkeiten in gedämpfter Feinabstimmung. Und vielleicht hat es so mancher schon stimmlich bemerkt, Matt Mondanile ist nicht nur Frontmann der Ducktails, sondern auch Gitarrist der Band Real Estate. Nach dem eher am Home-Recording orientierten Setting der vorangegangenen Veröffentlichungen entschied sich Mondanile im Sommer 2012 bei den Aufnahmen zu ‘ The Flower Lane ‘ für eine Studioatmosphäre. Dort kam er mit Tonmann Al Carlson (Peaking Lights, Oneohtrix Point Never) zusammen. Außerdem war noch der halbe illustre Freundeskreis am Start: Daniel Lopatin (Oneohtrix Point Never), Joel Ford (Ford + Lopatin), Madeline Follin (Cults) und Sam Mehran (Outer Limitz), die das Album auf angenehm dezente Weiße beeinflusst haben.