Nachbericht: Das Reeperbahn Festival 2015 am Samstag (#rbf15)

Isolation Berlin, dort, wo man eine junge, kritische Band vermutet, im Fanshop eines lokalen Zweitligisten. Ja, es steht ein Totenkopf im Logo, aber das ändert nichts daran, dass es sich um einen Fanshop handelt. Die jungen, kritischen Männer lösen diese Diffusion wie junge, kritische Männer und beginnen das Set mit den Zeilen „Ich bin ein Produkt/ Ich will, dass ihr mich schluckt“. Und die jungen, kritischen Blogger schlucken den Köder gerne, den der Sänger mit den wuscheligen Haaren ihnen hinwirft. (mehr …)

Nachbericht: Das Reeperbahn Festival 2015 am Freitag (#rbf15)

Als Freund wütender deutscher Männer lässt man sich am Freitag natürlich zuerst bei Karies blicken. Die Molotow Sky Bar ist voller nicht ganz so wütend aussehender Männer so um die 40, die an den frühen Abendstunden seltsamerweise oft die Mehrheit des Publikums bilden. Bei Karies aber kann man sich dieses Publikum schon irgendwie erklären, ist es doch die Art von Musik, die man gut als Rebellionssurrogat nutzen kann.

 

Es kommt nicht von irgendwoher, dass der Drummer von Die Nerven auch bei Karies trommelt, ist die Musik nun sehr ähnlich. Vor allem laut, disparat und wütend. Im Kontrast steht dazu sehr schön der milde Blick des Bassisten. Die Skybar als Punklocation ist sehr schön, aber irgendwie springt der Funke nicht so richtig. Das mag daran liegen, dass die Texte im Gitarrenstrudel schwer zu verstehen sind, obwohl sie beispielsweise bei den Nerven einen großen Reiz ausmachen. So erschlagen Karies nur, ohne wirklich zu überzeugen.

 

Ein Abstecher zum Spielbudenplatz könnte sich daher lohnen, spielt dort der französische Folksänger Igit auf – abgesehen von dem Namen ließ sich auch anhand des Fotos, welches einen verschmitzten bärtigen Mann zeigt, eine gewisse Besonderheit dieses Musikers vermuten. Als stilbewusster Popkonsument enttäuscht dann aber schon der Hut des Franzosen, erinnert er von der Seite sehr an eine Justin Timberlake-artige Kopfbedeckung. Obwohl sich der Eindruck von vorne revidiert, läd der eher missglückte Anfang des Sets mit einem überamibitoniertem, zu sehr auf Musikalität bedachten Cover von Tom Waits’ Chocolate Jesus eher zum Weiterziehen ein.

 

Beispielsweise in den Nochtspeicher, einem Laden mit bemerkenswert wenig Empfang, was man als Berufspressetwitterer natürlich anklagen könnte, aber auch eine eher ablehnende Haltung gegenüber der ständigimmerundüberall-Smartphonekultur vermuten lassen könnte. Tatsächlich wäre es bei Leyya auch sehr respektlos gewesen, das Handy zu zücken, noch mehr, als bei anderen Acts. Auf Duogröße reduziert, verbreitet sich deren unglaublich organischer Sound aus Synthesizer, Gitarrenexperimenten und der stark-sanften Stimme von Sophie Lindinger durch den Raum. Es umstreichelt einen, ohne wirklich gefühlig zu sein.

 

Tatsächlich erschrickt man manchmal angesichts der Brüche, der Beats oder der Dinge, die Marco Kleebauer der Gitarre durch Effekte, Lautstärkeveränderungen und Schrammeln entlockt. Auch ist die Grundstimmung der Musik eher düster, man muss an Vampire denken, die durch den Wald rennen, oder an eine Apokalypse im sanften Aprilregen. In allem bleibt es allerdings minimalistisch, auf keinen Fall schmachtend. Das Publikum im Nochtspeicher hält andächtigen Abstand und lauscht.

 

Hinüberhüpfend nun zu einer Location, die sich immer irgendwie lohnt. Die Hanseplatte ist immer gemütlich, und falls die Band nichts taugt, schaut man ein wenig nach Platten. Bei Neopit Pilski hat man da allerdings keinen Kopf für. Das Hamburger Duo macht rohe Musik, Low Fidelity, bei der eine Gitarre, die sich für einen Song nicht umstimmen lässt, eben so gelassen wird. Durch die Kombination nur aus Gitarre und Drums besteht nur ein noisiger Kern. Stefan Ivanov singt nicht immer, aber wenn, dann auf Bulgarisch hinter seinen Stirnfransen hervor. Es stört nicht, dass man die Texte nicht versteht, vielmehr achtet man auf den Klang der Worte und genießt diese gewisse Exotik. „Mal was anderes“.

 

Ein paar Schritte hinüber ins Knust, wo man von einem halb leeren Saal begrüßt wird. Der Sound ist dafür umso dichter. Obwohl man vielleicht erstmal schmunzelt über den lockigen, schlaksigen Briten im groben Wollhemd. Cosmo Sheldrake. Wenn man je über den Namen Cosmo nachgedacht haben sollte, dann wird einem klar geworden sein, dass nur Menschen wie Cosmo Sheldrake diesen Namen tragen dürfen. Cosmo Sheldrake macht elektronische Musik. Er macht aber elektronische Musik, die sich aus den Geräuschen von Fischen, dem der Sonne oder denen von bulgarischen Schafen zusammensetzt.

 

Deren Texte dann gerne mal Fantasietiere behandeln oder Bärtierchen, von denen natürlich aus der ersten Person gesungen wird. Oft improvisiert Sheldrake auch, beatboxt, oder erklärt enthusiastisch die verschiedenen Klänge, die man an sich nicht für natürliche Geräusche halten würde. Dabei wirkt er wie ein Junge vor dem Chemiebaukasten, der ansonsten gerne durch die Wäldern stromert und mit allem Musik macht, was er findet. Gerade diese Spielfreude macht ihn unglaublich sympathisch und lässt diesen Gig so hervorstechen – es wirkt alles so unglaublich persönlich.

 

Auch die Tatsache, dass die Improvisationen an sich noch unfertig wirken und eher als Teil eines zukünftig noch großartigeren Songs, er sie aber trotzdem mit Publikum teilt, macht den Reiz des Konzertes aus. Es hat den Anschein, dass Cosmo Sheldrake so viele Ideen hat, seine Inspiration überall findet und jedem Impuls nachgeht, sodass es ihm eher ums Suchen geht als um das Finden. Und das so mühelos, das man gar nicht anders kann, als ihm zu verfallen. Definitiv ein Künstler, den man im Auge behalten sollte.

 

Um die Stichworte jungenhaft, intelligent und irre sympathisch mit in den nächsten Absatz zu nehmen, nun zu Mac DeMarco. Man fürchtet erst ein wenig den Hype und eine komplett überfüllte Große Freiheit, aber von wegen, halb gefüllt, davon noch einmal die Hälfte mit Securitys. DeMarcos Eskapaden müssen sich herumgesprochen haben. Deswegen ist man anfangs allerdings ein wenig enttäuscht, dass er beinahe brav wirkt, höchstens mal statt einem Songtitel das nächste Stück als irgendwas mit „fuck“ ankündigt. Als er dann aber beginnt, sich in den Schritt zu greifen, weiß man, so übel kann der Gig nicht werden.

 

Die Band bespuckt sich, der neue Tourkeyboarder John wird als „Punishment“ zum Stagediven verurteilt, Mac DeMarco stagedived, sehr zum Unwillen der Sicherheitsmenschen. Was, kann der geneigte Leser nun fragen, findet man an so einem Typen. Nun, seine Zahnlücke ist echt niedlich, kann man dann sagen. Aber vor allem ist es eben dieses Der-Typ-von-der-Couch-hafte, das Unartiger-Bruder-mäßige, was in der Verbindung mit den feinsinnigen Songs reizt. Denn Mac DeMarco singt auch von Liebe, aber eher von einer, die dann eben doch vorbeigeht oder eher profan ist. Mac DeMarco ist der also das Ideal des Freundes, der zwar ständig über die Strenge schlägt, dem man aber auch alles verzeihen kann und muss. Außerdem sehen seine Bandmitglieder aus wie Trucker, das ist auch ziemlich cool.

 

[Ivana Sokola]

 

[masterslider id=”7″]Photo Credits: Luca Heydt

Nachbericht: Das Reeperbahn Festival 2015 am Donnerstag (#rbf15)

Der Himmel voller Geigen und die Reeperbahn voller Röhrenjeans. Man weiß, du bist wieder da.
Wir haben mal wieder drei Tage zusammen verbracht,
und da wir nun einmal beide Hamburger sind, scheint es unvermeidlich, hinzugehen.

Trotzdem bist du immer und auch für jeden anders.
Was ich erlebt habe?
Nun, drei Tage voller Schreien und Grabbeln, Kuscheln und Tanzen, Freuen und Weinen. Also. (mehr …)

Nachbericht: TOCOTRONIC am 26. April.2015 im Mojo Club, Hamburg

Es gibt so Bands, die hat man schon etliche Male live gesehen, und trotzdem freut man sich immer wie ein kleines Kind auf Weihnachten, wenn wieder ein Konzert ansteht. An diesem Abend bin ich definitiv nicht die Einzige, die von verzückter Aufregung infiziert zu sein scheint, und das aus gutem Grund: Tocotronic stellen im Mojo ihr unbetiteltes „rotes Album“ vor, das am 1. Mai erscheint. Rot ist die Farbe der Revolution, aber eben auch der Liebe – beides passt bei Tocotronic ganz gut, denn die neue Platte ist eine Eloge auf das höchste aller Gefühle.

 

Tatsächlich fühlt man sich an jenem Sonntag ein bisschen wie beim ersten Date. Noch ist die Bühne leer – abgesehen von einem imposanten Glitzervorhang im Hintergrund, bei dem nicht genau zu erkennen ist, ob er tatsächlich erdbeerrot leuchtet oder nur vom Scheinwerferlicht angestrahlt wird –, doch die üblichen angeregten Plaudereien, um die Wartezeit zu überbrücken, wollen sich nicht so recht einstellen. Vielmehr richtet das Publikum alle paar Minuten gespannt den Blick nach vorne oder auf die (Handy-)Uhr, aber immerhin ist bei dieser Verabredung garantiert, dass sie eingehalten wird.

 

Als die Herren von Lowtzow, Zank, Müller und McPhail von einem feierlichen Intro begleitet kurz vor halb neun auf der Bildfläche erscheinen, entlädt sich die Anspannung im frenetischen Applaus. Zur Begrüßung gibt’s keine roten Rosen, aber dafür ‘ Prolog ‘, die erste Single vom kommenden elften Album. Direkt danach folgt mit ‘ Ich öffne mich ‘ ein weiterer neuer Song. Es braucht zwei Anläufe, weil Dirk von Lowtzow den Kapodaster im falschen Gitarrenbund platziert hat, was der Sänger lachend mit leicht theatralischer wie charmanter Geste entschuldigt. „Ihr seid aufgeregt, gell? Wir auch“, gesteht er im Anschluss. Darauf erstmal wieder ein Klassiker aus guten alten Hamburg-Tagen der Band: ‘ Du bist ganz schön bedient ‘. Die Idee dazu entstand während einer Fahrt mit der U2 zwischen Mundsburg und Dehnhaide, wie von Lowtzow dem ortskundigen Publikum erklärt. Mit dem Thema Liebe und Trunkenheit geht es auch bei ‘ Ich will für dich nüchtern bleiben ‘ weiter.

 

Dass Tocotronic den Pfad der Dämmerung verlassen haben und nun lieber liebestoll durch die Wälder streunen, merkt man allein schon an Dirk von Lowtzows campy Kleiderwahl: Ein rosa T-Shirt des Disney-Films ‘ Frozen ‘ hat das altbekannte schwarze „the Vampire Slayer“-Shirt abgelöst. Auch ihre Fäuste recken die Tocos heute deutlich seltener als Geste des Widerstands in die Luft. Erst die musikalische Gratwanderung – O-Ton Dirk: ‘ von der Liebe zum Hass ‘ – sorgt dafür, dass die Menge vom Kuschelmodus in die Rebellion wechselt: kollektives Köpfeschütteln bei „Aber hier leben, nein danke“, „Samstag ist Selbstmord“ grölt ein vielstimmiger Chor laut mit.

 

Insgesamt haben Tocotronic für jeden aus dem Drei-Fangenerationen-Publikum etwas in ihr Songrepertoire gepackt – vom zeitlosen ‘ Freiburg ‘ über ‘ This Boy Is Tocotronic ‘ bis zu ‘ Macht es nicht selbst ‘. Und die „Freaks“ vor der Bühne haben alle ihre eigene Art, dem Konzert zu huldigen: Aufmerksam kopfnickend, mit geschlossenen Augen tanzend, mit hochgerissenen Armen wild in die Luft springend, kurzzeitig entsteht direkt in der Mitte sogar ein Mini-Moshpit. Auch die aktuellen Lieder kommen nicht zu kurz: Mit der neuen Single ‘ Die Erwachsenen ‘, ‘ Rebel Boy ‘, dem plüsch-poppigen ‘ Zucker ‘ und dem großartigen ‘ Jungfernfahrt ‘ stellt die Band vier weitere Stücke vom „roten Album“ vor.

 

Ohne Zugaben entlässt die Band ihre Fans natürlich nicht in den Abend. Nach ‘ Mein Ruin ‘ und ‘ Let There Be Rock ‘ schwelgt das Publikum minutenlang zwischen den dichten Gitarrenwänden von ‘ Explosion ‘, das sich zum fulminanten Finale aufbaut. Aber als aufmerksame Gastgeber bemerken Tocotronic, dass ihr Gegenüber immer noch nicht genug von diesem Rendezvous hat. ‘ Kapitulation ‘ macht als allerletzter Song den Endorphine-Überschuss perfekt. Auf Wolke sieben schweben wir nach Hause.

 

[Sirany Schümann]

BILDERBUCH am 22.03.2015 im Mojo Club, Hamburg

9252Die große Frage: Wie rettet man einen schrecklichen Sonntag? Ich könnte mich jetzt entweder zum „Tatort“ unter der Bettdecke vergraben oder aber noch aufraffen und geschwind zum Konzert von Bilderbuch ins Mojo eilen. Schnell zeigt sich, dass die Entscheidung für Option Nummer zwei die richtige ist. Leider ist es schon zu spät, um noch die israelische Electronica-Prinzessin Adi Ulmansky bei ihrem Auftritt zu erwischen, dafür komme ich gerade rechtzeitig, als der zweite Support-Act Olympique die Bühne betritt. Die Salzburger haben sich in ihrer Heimat Österreich – und gerade ist es ja in Deutschland nicht unbedingt von Nachteil, aus Österreich zu kommen, um seinen Bekanntheitsgrad im Musikbusiness zu steigern – bereits eine ordentliche Fangemeinde erspielt. (mehr …)

SoKo am 20.03.2015 im Molotow, Hamburg

Gut drei Jahre ist es her, dass SoKo das letzte Mal ein Konzert in Hamburg gegeben hat. Das Molotow – damals noch in den alten Räumlichkeiten am Spielbudenplatz – scheint der französischen Sängerin gut gefallen zu haben, denn sie spielt wieder dort. Und auch dieses Mal ist die Show ausverkauft. Das scheinen auf den ersten Blick aber schon die einzigen Parallelen zwischen den beiden Auftritten zu sein. Denn auf der Bühne steht kein brünettes, langhaariges Hippie-Mädchen im wallenden Rock mehr, sondern eine toughe Punk-Göre mit Kurzhaarfrisur und hippem Baseballcap auf dem Blondschopf. Stéphanie Sokolinsky ist kaum wiederzuerkennen. Aber schließlich hat auch ihre Musik auf dem neuen Album ‘ My Dreams Dictate My Reality ‘ ein gründliches Makeover bekommen. Mit jenem düsteren Titeltrack im 80s-Goth-Pop-Gewand legt SoKo los und schickt eine Dark-Wave-Nebelwand in Richtung Publikum, das sich gleich von Beginn an gerne darin einhüllen und bannen lässt. (mehr …)

DER MANN am 19.02.2015 im Molotow, Hamburg

Wir alle verändern uns, alles verändert sich, die Welt dreht sich und überhaupt. Manchmal hat man sich so sehr an Dinge gewöhnt, dass es einem vielleicht nicht auffällt, wenn sie auf einmal anders sind oder gar verschwinden. Manchmal muss man auch mal nachschauen und fragen, hey, noch da, und so geht es nicht nur bei entfernten Verwandten, oder bei den Bands der Jugendzeit oder eben bei Männern. Der echte Mann ist vom Aussterben bedroht sagt man – oder zumindest einige Männer lauter als andere Menschen. Da zu Männern und da bei Wikipedia nicht viel mehr steht als, “Mann bezeichnet einen erwachsenen Menschen männlichen Geschlechts“ und wir uns damit irgendwie nicht zufrieden geben können oder sollten, ist es Zeit, sich wieder mal eine neue Definition des Mannes zusammenzureimen. Möglichkeit dazu bietet das Molotow und öffnet seine Türen für Männer. Oder die Türen öffnen sich für ihren inneren Mann, wenn man das so sagen möchte. (mehr …)

WANDA am 08.02.2015 im Molotow in Hamburg

9008Um ehrlich zu sein, konnte ich dem Wiener Dialekt bisher nicht viel abgewinnen. „Wollt’s a Sackerl?“, hat mich einmal eine Verkäuferin an der „Kassa“ gefragt, und ich habe albern in mich hineingekichert. Aber dann kamen Wanda! Und auf einmal klingt das Wienerische gar nicht mehr altbacken oder merkwürdig in meinen Ohren. Überhaupt hört man an diesem Abend im Molotow jede Menge Leute in Mundart plaudern. Exil-Österreicher, nachgereiste Wanda-Ultras oder einfach nur (Wahl-) Hamburger, denen es Spaß macht, den Dialekt zu imitieren? Who cares – die Stimmung ist jedenfalls großartig, weil alle sich auf die Band freuen, deren Debüt ‘ Amore ‘ von vielen Feuilletons zum besten deutschsprachigen Album des letzten Jahres auserkoren wurde. Und sie haben auch allen Grund zum Jubeln, denn sie sind in Besitz eines Tickets für das seit Langem ausverkaufte Konzert. (mehr …)

Nachbericht: ZOLA JESUS am 12. November 2014 im Uebel & Gefährlich in Hamburg

8602Harte elektronische Bässe dröhnen durch das Treppenhaus des Uebel & Gefährlich. Aber es ist keine Samstagnacht, sondern 21 Uhr an einem Mittwochabend. Dementsprechend deplatziert wirkt Black Asteroid, der dort ganz allein auf der Bühne steht und mit dunkler Sonnenbrille und schwarzer Lederjacke den Raum beschallt. Das Publikum lässt das experimentelle Techno-Set des New Yorkers auch eher kalt. Wäre es eine Clubnacht am Wochenende gegen 4 Uhr morgens, sähe das vielleicht anders aus. Heute Abend aber warten alle auf Zola Jesus und wollen danach schnell nach Hause. (mehr …)

Nachbericht: LYKKE LI am 07. November 2014 in der Großen Freiheit 36 in Hamburg

8564Im Sommer 2012 gab es eigentlich kein Vorbeikommen an Lykke Li’s Ohrwurm ‘ I Follow Rivers ‘. Zuerst dudelte der Song im Magician-Remix zwischen den Champions League-Übertragungen, später coverten ihn die Schnarchnasen von Triggerfinger in einer Unplugged-Version. Vielleicht liegt es also gerade an der inflationären Verwendung jener Hit-Single, dass die Große Freiheit nur zur Hälfte gefüllt ist. Eventuell hat ein Teil des potenziellen Publikums aber auch geahnt, dass Lykke Li bloß eine kurze Show bieten würde. Denn auf ihrer Facebook-Seite hatte die Schwedin schon einen Tag vor dem Konzert verlauten lassen, dass sie kränkelt. Ausverkauft sieht jedenfalls anders aus. (mehr …)

Festivalbericht: Das Reeperbahn Festival 2014 in Hamburg – Tag 3!

8327Hamburg bei Nacht hat schon was. Gerade, wenn wieder ein wenig Nebel überm Kiez hängt und die Vorstädter Auslauf haben und man selbst den Tunnelblick einschaltet. Das ist schon furchtbar atmosphärisch. Das Millerntorstadion mitsamt Platz in Flutlicht getaucht und der Projektor auf die eine Seite des Stadions gerichtet, der Bunker an der Feldstraße erhebt sich und vom Balkon winkt eine einsame Palme, sie scheint vergessen. Dazu passend eine Band, anscheinend im St.Pauli Clubheim, die an dieser Stelle symbolisch stehen sollte für all die vergessenen Bands des Festivals, die nicht da Publkium bekommen haben, was sie verdienten. Denn das, was vor einer Hand voll Leute vorgebracht wurde, klang durchaus gut, düster-melanchlischer Indie, aber der Blick ins Programm gab keinen Namen zur Musik her. (mehr …)

Festivalbericht: Das Reeperbahn Festival 2014 in Hamburg – Tag 2!

8321Tag 2 und die Laune ist noch besser, die Sonne scheint noch heller und die Reeperbahn 2014 liegt im gleißenden Licht. Einen gewissen Pioniergeist könnte man spüren ob dem Gedanken an die zu entdeckenden Bands. Oder man lässt sich einfach mal wieder treiben, denn ohne Entdeckungen wird das Festival nicht zuende gehen. Gleich der erste Act verspricht viel. Klaus Johann Grobe in dem geschmacklosesten Schuppen des bisherigen Festivals und das liegt nicht nur an dem Duft des draußen aufgrund des Schweiz-Showcases zelebrierten Fondues. Man muss wahrscheinlich gar nicht mehr sagen, als dass der Laden „Cowboy & Indiander“ heißt und auf einem Hocker ein Sattel angebracht ist, schon bieten sich Horrorvorstellungen von pinken Cowboyhüten und Pistolenwitzen an endlosen Samstagnächten. Aber warum man zurecht hier ist, das wird schnell klar, denn die 70er, 80er-Retrosynthesizer und der verhuschte Gesang retten – nun, nicht die käsige Atmosphäre – aber zumindest erhebt sich die Stimmung und man denkt wieder ein bisschen an Kraftwerk und tanzende bauchfreie Mädchen und körnige Polaroidaufnahmen von schlimmen Frisuren. (mehr …)