Platte der Woche #45: Lanterns on the Lake, Beings / Pias Coop/Bella Union (rough trade)

Mit einem spektralen, Klavier-getriebenen Opener starten Lanterns on the Lake in Ihr neues Album »Beings«. Das ganze Ambiente, vor allem im zweiten Stück »I’ll Stall Them« erinnert an die herausragenden Klanglandschaften Ihres Debütalbums. »Beings« ist eine Verschmelzung aus dem üppigen, verträumten Folk-Pop des Debüts und dem etwas härteren Sound mit seinen eindrucksvollen Gitarreneffekten und himmlischen Arrangements des Zweitlings. Die Besetzung wurde nochmals verändert, aber der Kern besteht weiterhin aus Sänger, Gitarrist und Pianist Hazel Wilde, Gitarrist und Produzent Paul Gregory und Schlagzeuger Oliver Ketteringham. Die etwas verschlankte Aufstellung sorgt auf gesamter Linie für einen geschärften Blick. (mehr …)

Platte der Woche #44: Cheathas, Mythologies / Pias Coop/Wichita Recordings (rough trade)

Während einige der Referenzpunkte aus dem Debüt des letzten Jahres noch existieren – vor allem Nathan Hewitt’s berüchtigte Gesangsdarbietung, die an Swervedriver’s Adam Franklin oder in geringeren Zügen an J Mascis erinnert – gibt es in den dreizehn neuen Stücken auf »Mythologies« eine neu gefundene Bereitschaft zu experimentieren. Dabei beginnt das Album erstmal mit einem leichten Einstieg. »Red Lakes (Sternstunden)« ist ein unbeschwerter Mid-Tempo-Song mit eingängigen kleinen Synth-Passagen und hellen Gitarren-Sounds. Der Song endet mit einer vollen Minute aus sich wiederholenden wimmernden Gitarren, die unter Schichten von Synth-Akkorden und einigen Sätzen in deutscher Sprache begraben werden. (mehr …)

Platte der Woche #43: Wolf Eyes, I Am a Problem: Mind in Pieces / Third Man Records

Zu Wolf Eyes gehörten schon immer diese dämonischen Hörner und ausgerenkten Gitarren zwischen einem schwarz weißen Rauschen. Es ist eine paranoide Dystopie, die sich zwischen überzeugter Verrücktheit in einer weitreichenden, experimentellen und unmöglich zu kategorisieren Welt abspielt. Seit 1997 war die Gruppe um Young, John Olson und Jim Baljo bei verschiedenen Labels unter Vertrag, mit »I Am a Problem: Mind in Pieces« folgt nun das Debüt auf Third Man Records, dem Label von Jack White. Zugleich ist das Album wohl Ihre gestörteste Arbeit bis hierher. (mehr …)

Platte der Woche #42: Joanna Newsom, Divers / Drag City (rough trade) (#joannanewsom)

Im neuen Album »Divers« von Joanna Newsom bewegen wir uns auf einem wehmütigen Spaziergang, überqueren Felder mit farbenprächtigen Wildblumen, hören akustische Arrangements, Melodien von großer Spannweite und eine Stimme, die zweifelsohne nicht jeden Geschmack von der eigenen Schönheit überzeugen mag. Es braucht Reife, um die vielfältigen Schichten aus Klavier, Saiteninstrumente, Gitarre und Schlagzeug mit Ihrer einzigartigen Stimme zu verstehen und so zu einem Teil dieser traumhaft schönen Pop Symphonie zu werden. (mehr …)

Platte der Woche #41: Neon Indian, Vega Intl.Night School / Pias Coop/Transgressive (rough trade)

Alan Palomo ist der Name und das Gehirn hinter der Band Neon Indian. Gemeinsam wurde ein weiteres großartiges Album veröffentlicht und wie bereits »Psychic Chasms« und »Era Extrana« darf auch »Vega INTL. Night School« als eines der besten Alben des Jahres 2015 vorgemerkt werden. »Slumlord«, »Slumlord ‘sRe-lease« und »Techno Clique« erweisen sich als Herzstück und präsentieren sich als reine elektronische Musik. Die analogen Synths ragen hoch, der Bass perforiert den stampfenden 4/4 Takt und Palomo’s Gesang harmoniert wundervoll mit dem Chor. “It goes on and on and on and on“. (mehr …)

Platte der Woche #40: #Deerhunter, Fading Frontier / 4ad/Beggars Group (Indigo)

Fifteen years I spent proving myself,” sagte kürzlich Bradford Cox und erklärte zugleich den simplen Grund des neuen Albums: “The only reason for me to make a record now is to make the record.” So entspannt die Herangehensweise, so wunderbar ausgeglichen ist auch die Balance auf »Fading Frontier«, Textur und Leichtigkeit sind offensichtlich, die Songs strahlen vor reiner Klarheit, egal ob der Groove in die Beine schießt, oder in genüsslicher Langsamkeit durch verschleierte Wälder schlendert. (mehr …)

Platte der Woche #40: #Protomartyr, The Agent Intellect (Hardly Art (Cargo Records)

Auf dem drittem Album in drei Jahren agiert das Quartett aus Detroit mit einem klaren Sinn für Dringlichkeit und Fokus. Protomartyr sind schwer zu fassen: gemütlich, ernüchternd, erschreckend, lustig, eingängig, belebend und letztlich menschlich. Im Universum von Protomartyr schwebt ebenso beständig die Gewalt. Emotionale Brutalität unter der bröckelnden Skyline von Detroit. »The Agent Intellect« bezieht die Energie aus der panischen Angst der Sterblichkeit. Casey verlor seinen Vater durch einen Herzinfakt, seine Mutter leidet an Alzheimer, eine Diagnose die während des Aufnahmeprozesses gestellt wurde. Wir erleben diese zerreißenden emotionalen Momente an vielen Stellen im Songwriting. “Lithe in thought and pumping blood…I’m never gonna lose it”, “He enters the temple/ It falls/ It always falls.(mehr …)

Platte der Woche #39: Girl Band, Holding Hands With Jamie / Rough Trade/Beggars Group (Indigo) (@girl_band)

Das Debüt dieser vier Herrschaften aus Dublin wird man nicht mehr so leicht vergessen. Zu gewaltig ist diese freie Form Ihrer individuellen Ansichten und dem antagonistischen Brutalismus, welches in einem abrasiven Durcheinander etwas ungemein anziehendes und aufregendes in sich verbergt. »Holding Hands With Jamie« ist dreist, stimmungsvoll, atemberaubend, aber auch verwirrend, konfrontativ und letztlich erschreckend. Viele Bands versuchen drastisch unterschiedliche Einflüsse zu vermischen, selten klang das Ergebnis am Ende so homogen und organisch wie in diesem Debüt. (mehr …)

Platte der Woche #38: CocoRosie, Heartache City / self Release (@LaRealCocoRosie)

Vorgemerkt: Am 13.10.2015 spielen CocoRosie die einzigste Deutschland Show im neuen Columbia Theater in Berlin, dass nach dem mehrmonatigen Umbau am 9.10. neu eröffnet. Eine lohnenswerte Empfehlung, denn das ebenfalls neue Album »Heartache City« ist wieder einmal der erwartete Hörgenuss in Vollendung. Obwohl sie zweifellos in den letzten zehn Jahren viele Momente voller seltsamer Schönheit erschuffen, waren CocoRosie selten ein gemütliches Hörerlebnis. Die Schwestern Bianca und Sierra Casady haben stets unangenehme und unkonventionelle Gebiete erschlossen, sowohl musikalisch als auch textlich. (mehr …)

Platte der Woche #37: Battles, La Di Da Di / Warp (rough trade)

Was haben wir es vermisst: diese muskulösen Instrumentierungen der Battles. Neulinge brauchen sich aber davon nicht beunruhigen lassen. Im eröffnenden Stück »The Yabba« geht es direkt in knapp sieben Minuten durch eine mehrdimensionale Landschaft der zeitgenössischen Musik. Wir sehen zarte Blüten, verstörende Alpträume und ein psychedelischen Wunderland voller Verrücktheiten – so können nur die Battles Welten kreieren. Die Gruppe arbeitet auf »La Di Da Di« ohne Sänger und lässt uns diesen Umstand kaum wahrnehmen. (mehr …)

Platte der Woche #36: Helen, The Original Faces / Kranky (Cargo Records)

»Felt This Way« und »Dying All The Time« knallten damals im Jahr 2013 mit voller Wucht in unsere Köpfe. Nun folgte die Überraschung in Form eines kompletten Albums. »Original Faces« ist das Ergebnis eines Kollektivs aus Liz Harris und Freunden (sowie die geheimnisvolle Helen selbst, die aber evtl. gar nicht real ist.), die eigentlich den ursprünglichen Plan einer Trash-Band verfolgten, sich aber nun als Pop-Gruppe definieren. Ja es ist zweifelsohne Pop-Musik. Aber kein Mainstream. Es ist letztlich schwer zu sagen, was genau das sein soll. Ich habe gehört, man würde es im allgemeinen als “Noise Pop” bezeichnen. Belassen wir es dabei. (mehr …)

Platte der Woche #35: La Luz, Weirdo Shrine / Hardly Art (Cargo Records)

Der Garage-surf-inspirierte Sound erfährt derzeit eine Renaissance. Zu den zeitgenössischen Künstlern unserer Zeit gehören La Luz. Aber die vier “California Girls” sind keineswegs der Feder von Brian Wilson entsprungen. La Luz stehen zwar zu Ihrem Surf-Rock, aber das inspirierte Gitarrenspiel stammt eigentlich aus Seattle, einer Region die mehr Gebirgsbäche und große Felsen hervorbrachte als Surfer. Ein Umstand der La Luz so erfrischend macht. Das Debüt war bereits von ausgezeichneter Qualität, aber »Weirdo Shrine« enthüllt nun die gesamte Komplexität. Die Songs sind voluminöser, lebendiger, die Tasten des Klaviers bestimmender und die restlichen Instrumentierungen ausgewogener. (mehr …)