Panic! At The Disco, Death of a Bachelor / Atlantic (Warner)

Das revolutionäre Debüt »A Fever You Can’t Sweat Out« erwies sich für Panic! at the Disco als Segen und ein Fluch für die Band zugleich. Es folgte ein hartnäckiger Schatten auf dem Nachfolger. »Pretty Odd« huldigte den kaleidoskopischen Einflüssen der 70er Jahre, während das dritte Album »Vices & Virtues« die Pop-Rock-Hymnen für sich eroberte. Die jüngste Versuch der Band, »Too Weird To Live, Too Rare To Die«, machte seinem Namen alle Ehre und auch wenn alle Alben die Neufindung von Urie ehrgeizig voran trieben, so fehlte doch die Singularität, welches das Debüt-Album so außergewöhnlich erschienen ließ. (mehr …)

Platte der Woche #44: Cheathas, Mythologies / Pias Coop/Wichita Recordings (rough trade)

Während einige der Referenzpunkte aus dem Debüt des letzten Jahres noch existieren – vor allem Nathan Hewitt’s berüchtigte Gesangsdarbietung, die an Swervedriver’s Adam Franklin oder in geringeren Zügen an J Mascis erinnert – gibt es in den dreizehn neuen Stücken auf »Mythologies« eine neu gefundene Bereitschaft zu experimentieren. Dabei beginnt das Album erstmal mit einem leichten Einstieg. »Red Lakes (Sternstunden)« ist ein unbeschwerter Mid-Tempo-Song mit eingängigen kleinen Synth-Passagen und hellen Gitarren-Sounds. Der Song endet mit einer vollen Minute aus sich wiederholenden wimmernden Gitarren, die unter Schichten von Synth-Akkorden und einigen Sätzen in deutscher Sprache begraben werden. (mehr …)

Kritik: Deine Freunde, Kindsköpfe / Noch Mal!!! (Universal Music) #deinefreunde

Ganz so lange haben Die Ärzte nicht gebraucht, bevor sie ihren Status als ‚Die Beste Band der Welt‘ felsenfest einzementiert und einem jeden um die Ohren gehauen haben, ganz gleich, ob er oder sie das nun hören wollte oder nicht. Auch Deine Freunde aus Hamburg haben sich einen satten Schluck aus der Egopulle verdient und dürfen somit als die coolste Kinderband dieses Planeten auf die Herausgabe unserer Kinder pochen. Und was machen wir? Wir geben sie ihnen breitwillig und mit allergrößtem Vergnügen, weil wir doch langsam aber sicher kapieren, dass niemand unseren liebreizenden und manchmal recht nervtötenden Nachwuchs so gut verstanden hat wie Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimschek. (mehr …)

Platte der Woche #43: Wolf Eyes, I Am a Problem: Mind in Pieces / Third Man Records

Zu Wolf Eyes gehörten schon immer diese dämonischen Hörner und ausgerenkten Gitarren zwischen einem schwarz weißen Rauschen. Es ist eine paranoide Dystopie, die sich zwischen überzeugter Verrücktheit in einer weitreichenden, experimentellen und unmöglich zu kategorisieren Welt abspielt. Seit 1997 war die Gruppe um Young, John Olson und Jim Baljo bei verschiedenen Labels unter Vertrag, mit »I Am a Problem: Mind in Pieces« folgt nun das Debüt auf Third Man Records, dem Label von Jack White. Zugleich ist das Album wohl Ihre gestörteste Arbeit bis hierher. (mehr …)

Kritik: Gold Glass, It’s You / (Spunk! Records) (#goldglass)

Warum lange drumherum reden? Gold Class machen es zumindest dem Post-Punk-Anhänger nicht sonderlich schwer, sie zu mögen – wenn ein Debüt wie dieses gleich ganz ohne jeden Schwachpunkt überzeugen kann, dann bleibt man in der Regel länger bei der Sache. Der Vierling aus dem australischen Melbourne, Besetzung Adam Curley (Gesang), Mark Hewitt (Drums), Evan James Purdey (Gitarre) und Jon Shub (Bass) ist demnächst als Support von Noise-Ikone Thurston Moore unterwegs, die Jungs werden dort mit Sicherheit keinen schlechten Eindruck hinterlassen. (mehr …)

Platte der Woche #41: Neon Indian, Vega Intl.Night School / Pias Coop/Transgressive (rough trade)

Alan Palomo ist der Name und das Gehirn hinter der Band Neon Indian. Gemeinsam wurde ein weiteres großartiges Album veröffentlicht und wie bereits »Psychic Chasms« und »Era Extrana« darf auch »Vega INTL. Night School« als eines der besten Alben des Jahres 2015 vorgemerkt werden. »Slumlord«, »Slumlord ’sRe-lease« und »Techno Clique« erweisen sich als Herzstück und präsentieren sich als reine elektronische Musik. Die analogen Synths ragen hoch, der Bass perforiert den stampfenden 4/4 Takt und Palomo’s Gesang harmoniert wundervoll mit dem Chor. „It goes on and on and on and on„. (mehr …)

Kritik: Beach House, Thank Your Lucky Stars / Pias Coop/Bella Union (rough trade)

Da scheint ihnen also der Stoff nicht ausgegangen zu sein – gut zwei Monate, nachdem Victoria Legrand und Alex Scally ihr neues Album »Drepression Cherry« vorgestellt hatten, war auch schon die Rede vom Nachfolger. Nun gibt es böswillige Menschen, die meinen, diese Art von luftig-verträumtem Dreampop ließe sich beliebig oft und einfach reproduzieren (das erinnert einen wiederum an die eigene Kunstlehrerin, die da frech behauptete, Aquarelle von Nolde schaffe ein geübter Fälscher mühelos fünf Stück in der Stunde), was natürlich ein ausgemachter Nonsens ist. Gerade »Thank You Lucky Stars« zeigt, dass Beach House, wenn auch nur in kleinen Schritten, ihr Repertoire sehr wohl zu erweitern verstehen. (mehr …)

Kritik: The Dead Weather, Dodge And Burn / Rykodisc (Warner) (#TheDeadWeather)

Wer ebenfalls zu den Menschen gehört, die sich fragen, warum Sturmtiefs hierzulande meistenteils mit weiblichen Vornamen ausgestattet werden, für den haben wir eine mögliche Erklärung parat: Denn es gibt wohl kaum ein schlechtgelaunteres Unwetter als Alison Mosshart (“I hate sunshine so much, the sun gives you cancer“, »Evening Standard«) – die Frau also, die zusammen mit Jamie Hince bei The Kills ihrem Brotjob nachgeht und in unregelmäßigen Abständen Jack White’s elektrischem Psychobluesrock ihre trotzige Stimme leiht. Und zwar so fabelhaft, dass die White Stripes und die Raconteurs nur mehr noch als mattes Irrlicht am Horizont auftauchen. (mehr …)

Platte der Woche #38: CocoRosie, Heartache City / self Release (@LaRealCocoRosie)

Vorgemerkt: Am 13.10.2015 spielen CocoRosie die einzigste Deutschland Show im neuen Columbia Theater in Berlin, dass nach dem mehrmonatigen Umbau am 9.10. neu eröffnet. Eine lohnenswerte Empfehlung, denn das ebenfalls neue Album »Heartache City« ist wieder einmal der erwartete Hörgenuss in Vollendung. Obwohl sie zweifellos in den letzten zehn Jahren viele Momente voller seltsamer Schönheit erschuffen, waren CocoRosie selten ein gemütliches Hörerlebnis. Die Schwestern Bianca und Sierra Casady haben stets unangenehme und unkonventionelle Gebiete erschlossen, sowohl musikalisch als auch textlich. (mehr …)

Kritik: Petite Noir, La Vie Est Belle/Life Is Beautiful / Domino Records (Goodtogo) (@petite_noir)

Überraschungen sind, nicht erst seit die dazugehörigen Schokoeier fein säuberlich in blaue Jungs- und rote Mädchenware getrennt wurden, wirklich selten geworden. Yannick Ilunga, einer der derzeit schillerndsten Persönlichkeiten im Popgeschäft, ist mit seinem Debüt mal eine richtig gute gelungen. Der Junge bemüht ja in diesem Zusammenhang gern die von ihm selbst erdachte Wortschöpfung des ‚Noirwave‘ und wenn man seinen Lebenslauf liest und das vorliegende Album hört, weiß man, dass dies ein sehr dehnbarer Begriff sein muss. Geboren in Belgien, aufgewachsen im südafrikanischen Molloch Kapstadt, jetzt in London zu Hause, versuchte sich Ilunga zunächst in der Metalcore-Kombo Fallen Within und danach als Teil des Elektroduos Popskarr. Zumindest den Einflüssen der letzten Station kann man auf »La Vie Est Belle/Life Is Beautiful« noch nachspüren, ansonsten zeichnet sich der Erstling dadurch aus, dass er wie kaum eine andere Platte dieses Jahres konsequent sämtliche Strömungen der 80er und 90er bis zur Mitte der 2000er Jahre zu einem neuen, verheißungsvollen Sound formt – das ist Petite Noir, das ist Noirwave. (mehr …)

Kritik: #Tellison, Hope Fading Nightly / #Alcopop! (Indigo)

Bisher wurden Tellison während Ihrer Laufbahn mehr oder weniger nur mit geringen Interesse beobachtet. Zu Unrecht. Tellison haben es verdient gehört zu werden und nach vier Jahren, die seit der letzten Veröffentlichung vergangen sind, haben sich die Herren ein neues Label gesucht. Bei Alcopop! erscheint nun Ende September Ihr Album »Hope Fading Nightly« und ist sachlich geschrieben Ihr bisher bestes. Perfekt produzierte Stücke zwischen akustischen Momenten und lodernden Indie-Rock. Ersteres erwartet uns im eröffnenden »Letter To The Team«, während uns »Helix & Ferman« zurück an die Ursprünge führt. Ein markantes Schlagzeug, elektronisch betriebene Riffs und greifbare musikalische Überzeugungskraft. Dieser Track ist ein echter Kracher. (mehr …)

Platte der Woche #37: Battles, La Di Da Di / Warp (rough trade)

Was haben wir es vermisst: diese muskulösen Instrumentierungen der Battles. Neulinge brauchen sich aber davon nicht beunruhigen lassen. Im eröffnenden Stück »The Yabba« geht es direkt in knapp sieben Minuten durch eine mehrdimensionale Landschaft der zeitgenössischen Musik. Wir sehen zarte Blüten, verstörende Alpträume und ein psychedelischen Wunderland voller Verrücktheiten – so können nur die Battles Welten kreieren. Die Gruppe arbeitet auf »La Di Da Di« ohne Sänger und lässt uns diesen Umstand kaum wahrnehmen. (mehr …)