Kritik: Dr. Dre, Compton / Interscope (Universal Music)

Wer den wiederaufflammenden Rassenunruhen in den USA überhaupt etwas Positives abgewinnen möchte (Vorsicht: Minenfeld!), der darf zumindest konstatieren, dass der einst darniederliegende, sich in ödem Bling-Bling-Machismo erschöpfende Hip Hop an diesen Konflikten Sinne und Konturen geschärft hat. Man spürt wieder so etwas wie Relevanz, Wachheit, auch Wut und Aggressivität natürlich – jeder, der geglaubt hatte, mit einem schwarzen Präsidenten würden sich solche üblen Dinge nicht mehr wiederholen, sondern irgendwann, ganz Besonnenheit, Ratio und Vernunft, von selbst verschwinden, sieht sich nun getäuscht. Und selbst leicht abgehalfterte Stars wie 50 Cent oder Xzibit, die sich vor Jahren noch als Tanzbären bereitwillig am Nasenring (also: Klischee) durch die mediale Arena ziehen ließen, merken plötzlich, dass sie vielleicht etwas zu bequem, etwas zu satt geworden sind und nun doch die Hand beißen müssen, die ihnen über lange Zeit ihren Luxus mitfinanziert hat. Nicht so schön, aber das war Aufklärung ja nie. (mehr …)